Aber, getreu dem Motto „Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht“, wurde der Song durch das Internet getrieben, wie die Sau durchs Dorf und erreichte schließlich Platz eins der Hypemachine Charts. Ist das jetzt gut, oder schlecht? Es ist gut. Es ist gut, weil es eine gelungene Reinterpretation eines hervorragenden Songs ist. Es ist gut, weil es einem Künstler mit großem Potential viel Aufmerksamkeit schenkte und es ist schlecht, da so die Erwartungen an sein Debutalbum ins Unermessliche stiegen.

Letztlich dauerte es bis heute, also fast drei Jahre, bis Chet Faker mit Built On Glass sein Erstlingswerk vorlegte. In der Zwischenzeit brachte er mit Thinking In Textures selbst eine EP heraus, ließ sich vom Landsmann Flume auf der Lockjaw EP featuren und tourte fast ununterbrochen. Drei Jahre, die die Erwartungen nicht senkten, sondern eher steigerten. Damit sind nicht nur die Erwartungen der Fans, sondern vorallem die Erwartungen Chet Fakers an sich selbst gemeint.

Denn eigentlich war das Album fertig. Dem Australier gefiel das Ergebnis aber nicht, er löschte alles und begann von vorn. Eigentlich war dann ein zweites Album fertig, dem Australier gefiel es wieder nicht, er löschte alles und begann wieder von vorn. Built On Glass ist somit das Destillat aus drei Jahren Arbeit. Es war ein Prozess, der ein Album hervorbrachte, das von Widersprüchen und Gegensätzen erzählt und so die zwei Gesichter des Chet Faker offenbart.

Kenner seiner ersten EP mag die A-Seite des Debutalbums überraschen. Organischer Soul und R’n’B werden hier mit Pop gepaart und so wirkt der erste Teil der Platte insgesamt reduzierter. Electronica kommen weniger stark zum Einsatz und die Stücke sind mehr auf den Punkt gespielt. Dabei nimmt der Australier stark das Tempo raus und groovt eher über die Landstraße, als dass er über die Autobahn rast. Anspieltip dieser Seite: „Gold“.

Mit dem Interlude „/“ hat der Melbourner auch noch die Gebrauchsanweisung der B-Seite parat:

That was the other side of the record / Now relax still more / Drift a little deeper as you listen.

Chet Faker selbst bezeichnet den ersten Teil des Albums als Pre- den zweiten als Post-Break-Up. Bezogen auf seine Texte mag das zutreffen. Das Album beschreibt zu Beginn aber nicht die glückliche Zeit in einer Beziehung, die ganz am Anfang steht, sondern den Punkt, an dem es eigentlich schon vorbei ist, man aber noch nicht so richtig loslassen kann oder will. Irgendwann ist es vorbei und man blickt mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese Zeit zurück. Vielleicht ist man froh, dass es vorbei ist und ärgert sich dennoch, dass es nicht funktioniert hat. Ein Zwiespalt, ein Paradoxon. Die zwei Seiten des Chet Faker eben.

Die B-Seite ist ausufernder und repetitiver, was sich schon in den Längen der Songs zeigt. Electronica kommen nun vermehrt zum Einsatz und mit „1998“ ist dem Australier auch eine echte Tanznummer gelungen. Trotz simplerer Instrumentierung der zweiten Seite wird auch diese durch die herausragende Stimme des Australiers getragen, die er in  „Lessons In Patience“ mehrmals loopt und so zum entscheidenden Bestandteil des Songs werden lässt.

Höre dieses Album, wenn du traurig bist und höre es, wenn du glücklich bist. Höre es rauf und höre es runter und du wirst immer wieder Neues entdecken. Ein Instrument, eine Emotion, ein Lächeln oder eine Träne. Dieses Album ist Ankommen und Abschied, Anfang und Ende und kaum ein Song drückt dies besser aus, als „Cigarettes & Loneliness“.

Chet Faker mag zwei Gesichter haben. Eines lacht und das andere weint, aber beide sind dabei ehrlich und kein Fake. So ist es manchmal im Leben: Ohne Schwarz gibt es auch kein Weiß!