Wie bereits letzte Woche angekündigt, haben wir uns am Samstag auf dem Spektrum Festival in Hamburg herumgetrieben. Zugegeben, die Aufregung war groß, die Erwartungen an das Line-Up und die Location noch größer. Ob sie erfüllt wurden und ob sich die weite Reise in den Norden für jeden waschechten Hip Hop Fan künftig lohnt, versuchen wir nun kurz zu resümieren.

Die Location

Hier gibt es die volle Punktzahl, ohne Einwände. Das Gelände in Hamburg-Wilhelmsburg hat schon fast „Kult-Charakter“, wird es doch jedes Jahr für das Dockville, den Vogelball, das Butterland, das MS Artville und das Spektrum Festival in Beschlag genommen. Verständlich bei grünen weiten Wiesen, kombiniert mit einem Blick auf große Speicher und Industriegelände, von Wasser umgeben. Mehr braucht man nicht sagen. Punkt.

Das  Publikum

Ein bedeutender Faktor bei allen Großveranstaltungen: das Publikum. Doch was zuallererst auffiel, war die Menge an Menschen. Selten bietet ein Festivalgelände so viel Freiraum, man hatte mehr als ausreichend Platz auf den Wiesen und vor der Bühne. Schlangen an den Klos und Gedränge: Fehlanzeige. Dass dies für eine entspannte Stimmung trotz (oder gerade aufgrund) der 30 °C sorgte, versteht sich von selbst. Doch was für Leute kommen nun nach Wilhelmsburg, um sich vorrangig deutsche Hip-Hop-Acts anzuschauen? Eins bleibt zu sagen: Die Cappydichte ist in Hamburger Kreisen selten so hoch wie auf dem Spektrum. Es sind die urigen Hip-Hop-Fans, neugierige Hip-Hop-Frischlinge, pubertierende 16-Jährige und hippe Fashion-Fans, die auf die Welle des Hip-Hop-Aufschwungs aufspringen und das Spektrum besuchen. Doch hip hin oder hip her, Hip Hop finden sie alle gut! Fazit: ein sehr angenehmer Schlag Menschen!

Spektrum 2014 | Foto: S. Niethammer

Das Line-Up

Kommen wir zum wichtigsten aller Faktoren der Ein-Tages-Festivals, dem Line-Up. Mit SSIO, Haftbefehl, Karate Andi (der für Stalley eingesprungen ist), Ahzumjot, und Gerard war das Aufgebot der deutschen Rapkünstler ansehnlich. Gerard überzeugte wie auch schon im Herbst bei seiner Show in Dresden mit ehrlichen und lebensbejahenden Texten. Sylabil Spill, der für aggressive Texte und seine große, angsteinflößende Gestalt bekannt ist, hat es irgendwie geschafft, mithilfe leidenschaftlicher Tanzinlagen trotzdem liebevoll zu wirken. Ob dies nun an seinem Shirt „Respekt vor Gewalt“ lag, soll Spekulation bleiben. Die persönlichen Highlights an der deutschen Rap-Front waren Karate Andi, SSIO, der die Massen mitriss, wie es Haftbefehl nicht schaffte und zu guter letzt Hiob & Morlockk Dilemma. Acapella-Rap-Einlagen, kritische und fast poetische Texte machten ihren Auftritt zu einem wahren Kunstwerk.

Für alle Fans der elektronischen Musik hielt das Spektrum Festival Newcomer der Electro-Szene bereit, die sich vor allem am Hip Hop orientieren und Trap produzieren. Acts wie STWO, XXYYXX, Hudson Mohawke und Sinjin Hawke brachten mit tiefen, klatschenden Beats das Publikum zum Tanzen. Die Mischung von totaler Entspannung, Spannungsaufbau und letztlichem Ausbruch hat definitiv Gänsehautfaktor! Highlight in dieser Sparte war unabstreitbar TOURIST, der mit verträumt deepen Klängen im Gepäck an den Turntables stand. Das E-Drum und sein unverschämt gutes Aussehen rundeten den Abend perfekt ab!

Gerard | Foto: H. Horstmann

Fazit

Und was heißt das jetzt alles für euch? Lohnt sich das nun oder nicht? Man darf keinesfalls mit der Erwartung eines zweiten Splash! Festivals auf das Spektrum gehen. Es ist kleiner, mit einem eher frischen Line-Up, viel entspannter, nicht so voll und nicht so kommerziell. Die Idee von Street Art am Eingang (siehe das Foto oben) und einem Freestyle-Venue ist in Verbindung mit Hip Hop naheliegend, aber auch eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Open-Air-Konzerten gewesen. Da das Spektrum erst zum dritten mal statt fand, muss es sich erst in die Festivallandschaft integrieren. Apropos Spektrum, da war doch das mit dem Namen?! War es denn nun wirklich so vielseitig?

Hip-Hop- und Electro-Acts. Klingt nicht so bunt? Falsch gedacht! Allein die deutschen Künstler wiesen so viel Diversität in ihren Texten und der musikalischen Untermalung auf, dass die internationalen Hip-Hop-Acts und die vorrangig aus Großbritannien stammenden DJs (wieso ist GB eigentlich das Electro-Mekka?) den Obstsalat noch bunter aussehen ließen! Vielseitigkeit: vorhanden! Für alle, die mit Hip Hop nichts anfangen können, wird das allerdings nicht offensichtlich sein.

Wenn das gute Line-Up und die entspannte Fülle an Publikum bleibt, aber noch mehr exklusive Ideen wie eventuelle Street-Art- oder Rap-Workshops etabliert werden, so könnte das Spektrum bald bei den ganz Großen mitmischen. Unser Fazit: HINGEHEN, wenn ihr Bock auf chilliges Ambiente und gepflegten Hip Hop habt!