Als „graue Stadt am Meer“ bezeichnete einst Theodor Storm seine Heimatstadt Husum in einem Gedicht aus dem Jahr 1852. Auch 160 Jahre später schien seine Einschätzung noch gültig zu sein.

2012 veröffentlichte ein Husumer Quartett namens Vierkanttretlager sein Debütalbum Die Natur greift an eine Platte, die wahrscheinlich voll und ganz im Sinne Storms gewesen wäre. Rauer, ungeschliffener Indie-Rock traf auf tiefgründige, teils kryptische Texte, die sich mit der Unzufriedenheit und den Schwierigkeiten des Mensch-Seins beschäftigten. Die Band schuf eine nebelige, schwere und etwas beklemmende Atmosphäre, die in den lauten Momenten des Albums zur Sturmflut aufbrauste. Besonders beeindruckend an Vierkanttretlager war zu diesem Zeitpunkt die etwas verbitterte, aber nicht humorlose Altersweisheit, die stets in ihrer Musik mitklang. Wüsste man nicht, dass die Bandmitglieder zur Veröffentlichung der Platte gerade einmal um die 20 Jahre alt waren, könnte man glauben, die EP Penzion Kanonir  (2010) und Die Natur greift an wären das Werk von 70-jährigen, langbärtigen Seebären.

„Wir sehen das alles ohne Abstand. Wir sind viel weiter als der Verstand. Wir haben alles verbrannt und tragen jetzt aus Liebe ein Sandkorn zum Strand.“

Vierkanttretlager in Um Schönheit zu sehen

Drei Jahre und eine Shanty Chor EP später veröffentlichten Vierkanttretlager in diesem April ihr zweites Album Krieg & Krieg. Textlich hat sich dabei wenig verändert. Sänger und Texter Max Richard Leßmann behandelt auf dem Zweitwerk erneut in beeindruckender Weise die Grenzen des menschlichen Lebens und die Versuche aus diesen auszubrechen. Wie seine ohnehin schon charismatische Stimme hat jedoch auch der gesammte Sound der Band auf Krieg & Krieg an Vielseitigkeit gewonnen. Von brachial und schnell wie auf dem gleichnamigen Opener, über das groovende „Lass uns den Verstand verlieren“ bis zum äußerst reduzierten Schlusstrack „Schweigen“ zeigen Vierkanttretlager so viele Facetten, wie man ihnen und ihrer Musik nicht unbedingt zugetraut hätte.

Vierkanttretlager mussten seit ihrer Gründung zweimal den Ausstieg eines Bassisten verkraften. Seit der Veröffentlichung von Krieg & Krieg besteht die Band auf dem Papier daher als Trio aus Sänger Max Leßmann, Gitarrist Christian Topf und Schlagzeuger Leif Boe. Auf der Bühne werden die drei allerdings von zwei weiteren Musikern unterstützt, sodass auch live keine Kompromisse gemacht werden müssen.

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, die Jungs aus Norddeutschland und ihre Lieder auf der Bühne zu erleben, dann müsst ihr nicht mehr tun als eine E-Mail mit dem Betreff „Sturmflut“ und eurem vollen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de zu schicken. Wir verlosen 2×1 Freikarten für das Konzert am 13.10 im Ostpol. Die Gewinner werden bis zum 11.10. per Mail benachrichtigt.