Großer Andrang herrschte am Donnerstagabend in der Galerie Holger John. Die Dresdner High Society ließ sich blicken, viele Künstler, nicht nur aus Dresden und, nach Angaben des Veranstalters, auch das ganze Dresdner Kulturamt. Auch die Dresdner Kulturbürgermeisterin war gekommen zur Eröffnung der Ausstellung Overshadowed – Überschattet.

Ich glaube, einerseits ist das ein Bekenntnis zur aktuellen syrischen Kunst. Es ist aber auch ein politisches Bekenntnis zu sagen: Wir haben ein Problem in Dresden und wir brauchen andere Ansätze und es ist eine Mehrheitsgesellschaft, die nicht hinter PEGIDA steht. Es gibt viele Leute, die pro Asyl sind, die Flüchtlingen helfen und für sie ist es ein wichtiges Zeichen, welches hier Holger John mit der Ausstellung setzt.

Annekatrin Klepsch (Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus)

Tobias Mörike ist der Kurator dieser Ausstellung. Der studierte Historiker und Islamwissenschaftler stellte eine spannende und zugleich die Besucher direkt mit dem Kriegsgeschehen in Syrien konfrontierende Schau zusammen. Ziel war eine Retrospektive aus der Sicht derjenigen, die nun aus Syrien zu uns kommen. Zum Beispiel Khaled Barakeh. Der 1976 in Damaskus geborene Künstler stellte bereits im Künstlerhaus Stuttgart, im Smack Mellon in New York City und nun in Dresden aus. 2013 schloss er seinen Meister an der international renommierten Städelschule in Frankfurt am Main ab. In Dresden kann man unter anderem die unten abgebildete Plastik sehen. Sie zeigt eine Leichenbarre, in der islamischen Kultur Teil des Bestattungsrituals. Khaled Barakeh deutet diese Leichenbarre als Verkehrsmittel von einer Welt zur anderen.

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Foto: Tom Funke

Ein weiterer Künstler, der in dieser Ausstellung Plastiken zeigt, ist Manaf Halbouni.

Es geht mir sehr oft um Gefühle, um eine präzise Aussage zu treffen ohne viel zu erzählen. Ich finde immer, um irgendwas zu sagen, reicht immer ein Wort, um eine ganze Geschichte zu erzählen. Zum Beispiel das Betonschachspiel, als Zeichen für das Kriegsspiel oder als Spiel der Könige.

Manaf Halbouni (Künstler)

Seit 2008 lebt er in Deutschland und nun konkret in Dresden. Er wird in Syrien wegen Kriegsdienstverweigerung vom Assad Regime verfolgt. Die Realität des syrischen Bürgerkrieges wird in der Galerie Holger John mit den Mitteln der Kunst auf das Drastischste sichtbar. Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Dezember und kann jeweils Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 19Uhr besucht werden.