A Folk Set Apart

BY

Cass McCombs

Release

11.12.2015

Label

Domino

Mit A Folk Set Apart: Rarities, B-Sides & Space Junk, ETC. veröffentlicht Cass McCombs eine Kompilation von Songs, die er zwischen 2003 und 2014 auf diversen Mini-Pressungen verstreut oder auch komplett vergessen hatte. Das Spektrum reicht von 7″-Split Singles über Outtakes aus Alben zu Songs, die McCombs für einen bestimmten Anlass geschrieben hatte, wie dem eindringlichen „Bradley Manning“. Ursprünglich verfasst für die US-amerikanische TV-Show „Democracy Now!“, erzählt der Song die Geschichte des Whistleblowers Bradley Manning, von seinem Entschluss den GIs beizutreten bis zu seiner Verhaftung wegen Veröffentlichung klassifizierter Dokumente.

Allerdings gestalten sich die wenigsten Songs auf dem Album so stimmig wie „Bradley Manning“: der Song „Texas“ beispielsweise, aufgenommen mit Phish-Sänger Mike Gordon, folgt keiner erkennbaren Struktur und entwickelt sich zu einer Aneinanderreihung merkwürdiger Klänge. Auch genremäßig lässt sich das Album nicht festnageln: Großartige Rocksongs wie das verzweifelte „A.Y.D.“ stehen in einer Reihe mit dem Blues-Instrumental „Catacombs Cow Cow Boogie“ und dem kindlich anmutenden „Three Men Sitting On A Hollow Log“. Cass McCombs selbst äußerte sich dazu einmal folgendermaßen:

„[…] I don’t think I really make albums, I’m always writing and recording songs and these releases are simply the most recent. It’s craftwork, not Art.“

Ist somit nicht jedes seiner Alben eine Kompilation seiner Gedanken? Fest steht: Mit seinen humorigen Geschichten, seiner tiefgründigen Melancholie und seiner liebenswerten Weirdness berührt McCombs uns immer wieder. Wie er das erreicht, hat er vor einigen Jahren in einem Brief erklärt: Anstatt seine Gedanken in der Ich-Form vorzutragen, erschafft er Charaktere in der dritten Person, die seine Fantasie transportieren und in die sich der Hörer leichter hineinversetzen kann als in den jammernden, auf sich selbst fixierten Barden. Das ist einerseits natürlich sehr rücksichtsvoll gegenüber dem Publikum, andererseits: Worüber soll Cass McCombs schon jammern, wenn er einen so unterhaltsamen Wurf wie A Folk Set Apart einfach so bei sich herumliegen hat?