Top 10-Listen sind natürlich, wie Filmkritiken auch, sehr subjektive Beiträge. Eure Top Filme des Jahres sehen wahrscheinlich etwas anders aus. Lasst euch trotzdem noch für ein verspätetes Geschenk inspirieren oder geht noch mal ein paar der filmischen Highlights dieses Jahr durch.
Nicht in die Top-Liste geschafft haben es Ex_Machina, Er ist wieder da, Still Alice, Selma, The Imitation Game und John Wick. Sie alle sind in ihrem jeweiligen Genre verdammt gut und sehenswert. Für einen Platz in der Liste hat es zwar nicht ganz gereicht, aber ich spreche für sie eine eindeutige Empfehlung aus.

Wer die Trailer zu den entsprechenden Filmen sehen will, klickt einfach auf das jeweilige Bild.

Kingsman Artikel Bild

  1. Kingsman – The Secret Service

    Ich musste nach unserer James Bond Filmmagazin Folge feststellen, dass ich die meisten Bond Filme gar nicht mag. Die allgemeine Filmformel hat mir nie wirklich zugesagt. Bond geht am Anfang zu Q. Bekommt ein Gadget. Bond setzt Gadget ein. Lernt Frau kennen. Schläft mit Frau. Sieht den Bösewicht. Bösewicht nimmt ihn gefangen und denkt sich eine umständliche Todesfalle aus. Bond entkommt und so weiter. Klar, es gibt so einige Bond-Parodien da draußen, die genau diese Abfolge durch den Kakao ziehen. Keine hat sich aber bisher die Klischees genommen und sie mal 1000 multipliziert. Eine so wunderbar überdrehte Action-Komödie, die dazu noch herrlich überspitzt-brutale Actionsequenzen zu bieten hat, ist wirklich rar geworden. Allein eine fünfminütige Actionszene in einer Kirche ist jeden Preis wert. Eine grandiose Sequenz mit toller Choreographie, Musik und Kameraarbeit.
    Dazu hat er mit Colin Firth, Micheal Caine und Samuel Jackson echte Schauspiel-Schwergewichte zu bieten. Gerade Jackson hat richtig viel Spaß in seiner Rolle. Ihr wollt mal wieder so einen richtig bescheuerten Bösewichtsplan à la 007-Moonraker, bei dem der Fiesling versucht die gesamte Menschheit mit einem Pflanzengift zu töten? Dann seht dem lispelnden Hipster Milliardär Richmond Valentine dabei zu, wie er nicht minder Verrücktes versucht. Und das waren längst nicht alle Asse die Kingsman zu bieten hat. Ich meine, die Bösewichts-Helferin kämpft im Capoeira-Kampfstil mit Schwertbeinen gegen die Kingsman-Agenten, die mit einem Hightech-Regenschirm rumfuchteln. Sie zerteilt Leute mit ihren Beinen! Wer jetzt nicht mit den Augen gerollt hat, wird richtig viel Spaß mit Kingsman haben. Cooler wird es dieses Jahr wohl nicht mehr, außer vielleicht noch mit Platz 2.


Sicario Artikel Bild

  1. Sicario

    Der neueste Film vom „Prisoners“ Regisseur Denis Villeneuve, der wiedermal ein Atmosphäre-Monster geschaffen hat. Ab der ersten Minute entspinnt sich ein spannungsgeladenes Machtspiel zwischen Drogenkartell und Polizei an der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Jeder Fuß auf feindlichem Boden kann schon der letzte gewesen sein und diese innere Anspannung wird grandios durch Regisseur und Kameramann eingefangen. Die Metapher, nach der die Atmosphäre zum Schneiden dick wäre, passt hier wie in kaum einem anderen Film dieses Jahr. Das Highlight bildet der Nachteinsatz eines Sonderkommandos, die scheinbar in die Hölle selbst hinabsteigen. Villeneuve findet immer wieder ungewöhnliche Bilder und Einstellungen, um seinen Thriller jederzeit lebendig und aufregend zu halten. Darstellerisch sollte besonders Benicio Del Toro erwähnt werden. Er tritt ungeheuer präsent auf und kann ohne viele Worte ganz viel sagen. Überhaupt ist zwar die eigentliche Geschichte relativ dünn, dies wird allerdings durch einen inszenatorischen Kniff wieder aufgewertet. Wir als Zuschauer tappen, wie die Hauptfigur, lange Zeit im Dunkeln und rätseln nach den Zusammenhängen. Ob wir in dieser Geschichte wirklich die Guten sind, können sowohl wir als auch die Hauptfigur nur schwer beantworten. Das Endresultat ist ein düsterer, harter Drogenkrimi, der eine schmerzhafte Wahrheit zu zeigen hat. Wie eine gute Tüte Kokain, will man nach einer kurzen Kostprobe immer mehr, auch wenn einem das Ergebnis nicht wirklich gefallen kann.


Steve Jobs

  1. Steve Jobs

    Die besten Dialoge des Jahres gehören wahrscheinlich dem diesjährigen Steve Jobs Film. 2011 gab es bereits eine Doku. 2013 einen langatmigen, trantütigen Film mit Ashton Kutcher. Davon ist der Neuste meilenweit entfernt, der für einen biographischen Film einen ungewöhnlichen Ansatz wählt. Statt den gesamten Lebenslauf des ehemaligen Apple-Chefs darzustellen, werden drei wichtige Produktpräsentationen an drei verschiedenen Zeitpunkten als Handlungsrahmen gesetzt. Vor den Präsentationen kommt es zu allerlei Wortgefechten zwischen Jobs und den Technikern, seiner Managerin, sowie Jobs und seiner „Familie“ oder was davon übrig ist. Das ist zwar alles mehr oder weniger frei erfunden oder besser gesagt, für einen künstlerischen Zweck dramaturgisch aufgewertet. Das ist mir allerdings lieber, als ein weiterer langweiliger Apple Film. Der Hauptgrund dafür sind die messerscharfen Dialoge von Aaron Sorkin, der bereits das Drehbuch zu Social Network schrieb. Wer sich ein, zwei Argumentationen von Jobs und Co. merkt, gewinnt wahrscheinlich jeden nachfolgenden Streit.
    Michael Fassbender brilliert als eiskalter Firmenchef, der einfach zu faszinierend ist, um sich von ihm abzuwenden. Eine Oscar-Nominierung wäre mehr als fällig. Durch seinen dialoglastigen Aufbau, der für den vollen Genuss auch ein bisschen Technik und Apple Know-How vorrausetzt, richtet er sich an ein eher spezielles Publikum. Man sollte kein Problem mit kammerspielartigen Filmen haben und auch ein gewisses Grundinteresse an der Person Jobs. Insgesamt eine mehr als interessante Charakterstudie, der ich auch gerne noch Stunden weiter zugesehen hätte.


Birdman Artikelbild

  1. Birdman (oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)

    Mit ähnlich guten Dialogen wie Steve Jobs kann der letztjährige Oscar-Gewinner auftrumpfen. Hier wird das gesamte Filmgeschäft auseinander genommen. Die Schauspieler, die Regisseure, die Presse, die Kritiker und auch das Publikum bekommt ihr Fett weg. Bei so vielen Brandherden kann natürlich nicht jeder Schlag sitzen und manche Auseinandersetzungen sind zu platt. Ich habe den Rundumschlag trotzdem sehr genossen, was zum einen an der einzigartigen Kameraarbeit liegt.
    Wie ein Theaterstück, ohne Schnitt, kommt das Drama daher. Die Kamera schwebt scheinbar durch den Raum und gleitet virtuos um die Schauspieler herum. Dadurch wird diese ganz spezielle Atmosphäre aufgebaut, in der sich die großartig aufgelegten Darsteller sichtlich wohlfühlten. Jeder der Anwesenden spielt mit solch einer Hingabe seine Rolle, dass die bewusst dünne Linie zwischen der Filmfiktion und der echten Schauspielwelt noch weiter verschwimmt. Sie schaffen sowohl zynischen Witz, Verzweiflung, Ehrgeiz sowie Wut grandios auf die Leinwand zu bringen. Zwar hat Birdman durchaus einen prätentiösen Touch, das heißt, gewisse hochtrabende Stilmittel, für den man offen sein sollte, nichtsdestotrotz bietet er einen wunderbar bösen Abgesang auf Hollywood. Dieser wird zwar ohne die Prise Feingefühl präsentiert, dafür bekommt man eine seltene und richtig gute Superheldenparodie. Ein Mainstream-Kunstfilm sozusagen.


der Marsianer Artikelbild

  1. Der Marsianer – Rettet Mark Watney

    Wer den Marsianer in einen Satz beschrieben haben möchte, dem würde ich sagen: Cast Away mit Humor. Darüber hinaus gelingt dem Science-Fiction Film eine wunderbare Liebesbotschaft an die Raumfahrt und die Wissenschaft. Hauptfigur Mark Watney verliert nie seine Lebensfreude und Optimismus, selbst wenn ihm die eigene Planetenbasis um die Ohren fliegt. Unterlegt mit 70er und 80er Jahre Disco Musik darf er sich – meistens – fröhlich seinen Überlebensplan zurechtlegen. Er ist nämlich der einzige Mensch auf dem roten Planeten Mars und muss bis zur nächsten Marsmission ausharren (mit der er dann zurück nach Hause fliegen kann). Wer Lust auf einen optimistischen, naiven Sci-Fi Film hat und dessen grundlegende Prämisse mag, der bekommt einen hohen Unterhaltungswert in zweieinhalb Stunden gepresst. Probleme und Problemlösungen sind hier die handlungsrelevanten Elemente. Kartoffeln auf einem fast toten Planeten? Wasserversorgung? Kommunikation mit der Außenwelt? Alles Hindernisse, die spannend und aufschlussreich vom äußerst sympathischen Helden angegangen werden. Die Geschehnisse auf der Erde können durch ihre Konventionalität zwar weniger überzeugen, sind aber nie zu dominant, um einem den Spaß zu nehmen. Er erinnert an eine Zeit, an der über 600 Millionen Menschen Neil Armstrong dabei zusahen, wie er Fußabdrücke auf dem Mond hinterließ. Diese Faszination für den unendlichen Weltraum wurde selten so gut eingefangen. Tolles Drehbuch + ein gut aufgelegter Matt Damon + wunderschöne Mars Aufnahme = ansehen!


    Victoria Artikelbild

  1. Victoria

    Eine einzige 140 minütige Kamerafahrt. Kein Schnitt, alles passiert in Echtzeit. Das wird man vermutlich immer zuerst über „Victoria“ erfahren. Dazu umfasste das Drehbuch gerade einmal 12 Seiten und viele Szenen sind improvisiert. Doch was bedeutet das letztlich für den finalen Film? Wir begleiten die naive Spanierin Victoria bei ihrem Besuch in der deutschen Hauptstadt. Sie lernt in einer Partynacht auch gleich vier echte Berliner kennen, die ihr natürlich das echte Berlin zeigen wollen. Diese Begegnung verläuft erst wie man es vermuten würde, doch wird Victoria bald in etwas hineingeraten, was sie nicht mehr kontrollieren kann. Der gesamte Film verlässt sich auf seine Prämisse und darin liegt auch die unglaubliche Sogkraft, die er ausstrahlt. In den ersten 30 bis 40 Minuten braucht er zwar etwas um in die Gänge zu kommen und könnte schon ein paar Zuschauer vergraulen. Aber wer dranbleibt, bekommt den spannendsten Film des Jahres. Durch die Echtzeit der Handlung wird der Stress der Hauptfiguren auf eine bisher selten erreichte Art und Weise übertragen. Wenn schließlich der Abspann läuft, fühlt man sich wie nach einem 40 Kilometer Marathon. Ausgelaugt und platt, aber auch zufrieden. Die grundsätzliche Motivation der Hauptfigur ist mir zwar zu unglaubwürdig und manche Handlungsabfolgen sind aufgrund der Struktur des Films zu konstruiert. Diesen Makel kann ich aber akzeptieren, wenn man dadurch etwas wirklich Einzigartiges bekommt. Ein deutscher Film auf den man stolz sein kann und hoffentlich qualitativ viele Nachahmer findet. Wer noch andere Meinungen hören will, sollte bei dieser Filmmagazin-Folge vorbeischauen.


    Star Wars: The Force Awakens Ph: Film Frame © 2014 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved..

  1. Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht

    Die Erwartungen waren riesig. Die Sehnsucht grenzenlos. Star Wars ist wahrscheinlich das außergewöhnlichste Franchise der Welt. Selbst schlechte bis mittelmäßige Filme können der Saga kaum Schaden anrichten. Jeder hat seine Gründe, warum er sich in der weit, weit entfernten Galaxis so wohl fühlt. Star Wars ist zu etwas Größerem geworden als nur eine zusammenhängende Filmreihe von jetzt sieben Filmen. Und dieser 7. Film ist wirklich toll geworden. Regisseur J.J. Abrams orientiert sich konsequent an der Machart der alten Episoden und bietet immer wieder tolle Panoramen und Figuren mit leichtherzigem Humor. Diese naiv, märchenhafte Haltung gegenüber dem Fremden und der Zukunft (oder Vergangenheit?) kann Episode 7 in seinen besten Momenten wieder aufleben lassen.
    Unzählige, toll designte Alienrassen, Rüstungen und Sets. Ein besonderes Lob haben die neuen Charaktere verdient, die als Brücke zwischen alt und neu dienen mussten. Sie setzen frische Impulse, harmonieren prächtig zusammen und erobern mühelos die Fan-Herzen. Kinder von heute werden sich demnächst sicherlich auch als Fin, Rey und Poe verkleiden. Gerade Bösewicht Keylo Ren ist ein wenig anders als der typische Sith und bleibt bis zum Schluss faszinierend und undurchsichtig. Ganz fehlerfrei feuert dieser Blaster aber auch nicht. Abrams übertreibt es ein wenig mit der Action. Ruhepausen, bei den man die toll gestalteten Umgebungen so richtig genießen kann, sind etwas im Ungleichgewicht mit den zugegebenermaßen grandiosen Flugsequenzen und Schusswechseln. Das ganze Handlungsstränge fast 1:1 aus früheren Teilen übernommen wurden, ist aber einfach schade. Ein bisschen mehr Mut auch mal was Neues zu erzählen, was unzählige Bücher, Comics und Videospiele schon bewiesen haben, hätten „Das Erwachen der Macht“ zum hellsten Stern am Sci-Fi Himmel gemacht. Diese Aufgabe können ja noch Teil 8 und 9 übernehmen und die will ich jetzt unbedingt sehen.


Whiplash Artikelbild

  1. Whiplash

    Die Geschichte um einen Jazzlehrer, der seinen Schlagzeugschüler an die Grenzen des Machbaren bringen will, klingt im ersten Moment vielleicht nach: „Joa, ganz nett, aber läuft auch was mit mehr Action?“ Doch selten wurde eine derart simple Grundkonstellation effektiver umgesetzt. Regie, Schnitt und Schauspiel sind auf höchstem Niveau. Oscargewinner J.K. Simmons bietet eine überragende Performance an, die faszinierend und abstoßend zugleich ist. Der Film spielt eigentlich nur an wenigen Orten, hauptsächlich in einer Musikschule und auf der Bühne. Trotzdem wird der Film zu keiner Minute langweilig, jede Aufführung wird virtuos inszeniert. Der Fuß wippt mit, man leidet mit dem Hauptcharakter und freut sich über jeden Triumpf. Keine der Schlagzeugszenen gleicht der anderen. Die Art wie die Musik auf die Bilder geschnitten werden, ist einzigartig und elektrisierend. Dafür gab es zu Recht den zweiten Oscar.
    Bis auf ein oder zwei Nebenfiguren konzentriert sich der Film auf die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler. Andrew will der weltbeste Schlagzeuger werden und hat in Terence Fletcher scheinbar den richtigen Lehrmeister gefunden. Diese sonderbare Figurendynamik, die zwischen Verachtung und Bewunderung wechselt, fesselt und bietet auf beiden Seiten ambivalente Charaktere. Andrew ist auf keinen Fall nur der arme Musikstudent, der nur unter einem Monster leidet. Hier lohnt sich auch mehrmaliges schauen. Das alles gipfelt in einem grandiosen Finale, das so aufregend wie ein Actionfilm und so emotional wie ein Drama nur sein kann. Einen Film, den ich absolut jedem empfehlen kann, egal welche Genre-Präferenzen vorherrschen. „Whiplash“ vereint Stärken vieler unterschiedlicher Genres und schafft mit wenigen Mitteln, wofür andere drei Stunden Laufzeit und eine Armada an bekannten Schauspielern benötigen.


    FURY ROAD

  1. Mad Max: Fury Road

    Dieses Jahr war ein sehr gutes Jahr für Actionfans. Kingsman, Mission Impossible 5, Fast and Furios 7 und Avengers 2. Alles gute bis sehr gute Actionstreifen. Aber gegen Mad Max: Fury Road sehen sie alle aus wie ein launiger Abend im Bällebad. Exakt 30 Jahre nach dem dritten Teil kommt die Fortsetzung und Neuinterpretation der Filmreihe, die den Look einer postapokalyptischen Welt quasi festgelegt hat. Zur Story kann nicht viel gesagt werden, was man durchaus als Schwäche bezeichnen könnte. Allerdings hat „Mad Max“ trotzdem mehr zu erzählen, als ihm viele Kritiker nachsagen wollen. Ja, die Geschichte passt wirklich auf einen Bierdeckel und der wäre nicht mal vollgeschrieben, aber dafür hat der Film unheimlich viel zu zeigen. Warum Charaktere, Umgebungen und Autos so aussehen wie sie aussehen, hat immer seinen Grund. Diesen kann man leicht übersehen, trotzdem merkt man, dass diese Welt Geschichte hat. Sie ist nur je nach Betrachtungsweise eher zweitrangig.
    Dafür gelingt ein unvergleichliches Action-Fest, das fast ohne digitale Computereffekte auskommt. Die Stunts sind der Wahnsinn, die Autoverfolgungsjagden so atemlos, dass man quasi Benzin schmecken kann und Nahkämpfe so brutal wie befriedigend. Das alles bekommt man mit maximal 15 Minuten Pause im Dauerfeuer. Zu keiner Sekunde ist man dabei überfordert oder übersättigt, wie bei einem Transformer Film. Ich würde sogar so weit gehen, dass „Mad Max: Fury Road“ bereits jetzt ein Actionfilm-Klassiker ist, auf den man noch in 20 oder 30 Jahren zurück blicken wird. Und jetzt mal ehrlich, ein Film, bei dem ein Gitarrist mit seinem Instrument Feuer versprüht und mit Metall-Musik seine Kameraden anfeuert (!), kann nicht schlecht sein. Warum dann nicht Platz 1? Nun, ein bisschen mehr Gefühl und Emotion wäre nicht schlecht gewesen. Hmmmm Emotionen …


    Pictured (L-R): Sadness, Fear, Anger, Disgust, Joy. ©2015 Disney•Pixar. All Rights Reserved.

  1. Alles steht Kopf

    Ein Film hat mich dieses Jahr wirklich sprachlos gemacht und schaffte es sowohl Leichtherzigkeit mit echten Einfühlungsvermögen zu verbinden.
    Ich mochte schon immer Animations- und Zeichentrickfilme, die mit ihrer spielerischen Naivität Alt und Jung verzaubern konnten. Die Pixar-Filme sind natürlich nach den Disney-Klassikern eine Wundertüte aus tollen Geschichten, Lebensweisheiten und aberwitzigen Charakteren. Ein Film über vermenschlichte Emotionen, die dein ganzes Sein kontrollieren, sah da nach einem guten Deal aus. Aber da hatte ich „Alles steht Kopf“ enorm unterschätzt. Ja, „Findet Nemo“ war lustiger, „Wall-E“ wahrscheinlich künstlerisch wertvoller und „Toy Story 3“ fand als Trilogie-Abschluss den wohl besten Schlusspunkt. Doch intelligenter und emotionaler war noch nie ein Animationsfilm. Die Art und Weise wie das komplexe Wesen Mensch erklärt wird, ist gleichzeitig kreativ und nachvollziehbar. Man entdeckt sich immer wieder selbst und muss laut auflachen. So unglaublich charmant werden Sachen wie Ironie, Träume oder Ohrwürmer erklärt. Pete Docters Film hört da aber nicht auf und vermittelt eine ganz wichtige Botschaft, neben der bekannten „Familienzusammenhalt“-Attitüde. Eine Botschaft, die wahrscheinlich erst Erwachsene in ihrer Gänze verstehen, wie auch den gesamten Film. Natürlich zeigt Pixar trotzdem nur eine vereinfachte Version anerkannter psychologischer Grundannahmen und einige Logiklöcher können durchaus gefunden werden. Den Fehler begehen und das alles mit einem: „Ist ja nur ein Kinderfilm“ abtun, sollte trotzdem keiner machen. Hier wird wichtiges, ganz ganz großartig erzählt.
    Pixar schafft es wortwörtlich den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitzunehmen. Nie zu albern, nie zu kitschig, aber immer den Blick auf das große Ganze gerichtet. Wer sich darauf  einlässt, der kann von „Alles steht Kopf“ wirklich berührt werden. Nur wird man dann vielleicht getroffen wie Klitschko von Tyson Fury. Unerwartet und heftig.

    Wer den Film gesehen hat und sich näher mit beschäftigen will, dem kann ich nur wärmstens dieses tolle Video-Essay empfehlen.