Der neue Katalog ergänzt die seit 2012 gezeigte Dauerausstellung „Verurteilt. Inhaftiert. Hingerichtet – Politische Justiz in Dresden 1933–1945/ 1945–1957.“ Fast zwei Jahre dauerte die wissenschaftliche Erstellung des Kataloges. Besucher können in ihm nun fundiert viele Einzelschicksale von Inhaftierten nachverfolgen.

Es gibt zum Beispiel einen Rechtsanwalt, einen Juristen, der im Zusammenhang mit dem Speziallager der Sowjetischen Besatzungsmacht in der Ausstellung vorkommt, der hier am Münchner Platz  verstorben ist, den wir als Beispiel für die vielen hier aufgrund der Haftbedingungen Verstorbenen ausgewählt haben. Es ist gar nicht zur Verurteilung gekommen. Der war Mitglied der LDPD in Görlitz und da hat er sich der Besatzungsmacht und der SED widersetzt, er war also missliebig.

Dr. Birgit Sack (Leiterin der Gedenkstätte Münchner Platz)

Zwei Drittel der inhaftierten Opfer des Justizunrechtes in zwei deutschen Diktaturen kamen aus der Tschechischen Republik. Dennoch sind bis heute noch relativ wenige Besucher der Gedenkstätte Tschechen. Das soll sich in Zukunft ändern. Deshalb wurde vor kurzem eine Broschüre veröffentlicht, mit der sich tschechische Besucher die Ausstellung selbständig erschließen können. Zudem gibt es seit vergangenem Jahr auch Führungen durch die Ausstellung auf Tschechisch. Auch weil diese Bemühungen der Gedenkstätte auf tschechischer Seite auf Wohlwollen stoßen, war am Dienstagabend der tschechische Generalkonsul zu Gast bei der Vorstellung des neuen Kataloges.

Während dieser Vorstellung wurde von allen Gastrednern die wichtige Arbeit der Gedenkstätte gewürdigt. Allerdings nicht ohne einen Seitenhieb auf die sächsische Staatsregierung. Mit mehr Geld wäre eine noch bessere Arbeit, auch in der politischen Bildung, möglich. Denn eine pluralistische Gesellschaft, so die einhellige Meinung aller auf dem Podium, sei ohne politische Bildung nicht überlebensfähig.

Wir haben durchaus viele Menschen, die nicht an Menschenrechten interessiert waren, als sie gegen die Nazis opponiert haben, wir haben viele Zeugen Jehovas gehabt, die wollten ihre Religion ausleben. Aber auch das ist Courage, da jemanden in’s Rad zu fahren, die haben den Wehrdienst verweigert, sie waren die größte Gruppe an Wehrdienstverweigerern.

Dr. Gerald Hacke (Historiker und Mitarbeiter in der Gedenkstätte Münchner Platz)

Die Ausstellung ist Montag bis Freitag von 10 bis 16Uhr, sowie an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 18Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden an Wochenenden und Feiertagen um 14 Uhr statt.