Miles Kane und Alex Turner lernten sich 2005 auf Tour kennen, als Kanes Band „The Little Flames“ bei den Arctic Monkeys im Vorprogramm spielte. Diese Tour legte den Grundstein für die innige Freundschaft der Musiker und alle kreativen Eskapaden und Kollaborationen, die daraus entstehen sollten. Schon bald begannen die beiden an gemeinsamen musikalischen Ideen zu arbeiten. Aus diesem Material entstand das Debüt-Album „The Age of Understatement“, welches 2008 unter dem Bandname „The Last Shadow Puppets“ veröffentlicht wurde.

Nach einigen Gigs verschwand die Kollaboration dann allerdings erst mal wieder aus dem Scheinwerferlicht. Die nächsten Jahre widmeten sich beide Künstler vorrangig anderen Projekten. Die Arctic Monkeys waren damit beschäftigt, weitere Alben herauszubringen und ihren Ruf als eine der größten Rockbands unserer Zeit zu zementierten. Auch Miles Kane bastelte mehr oder weniger erfolgreich an seiner Solokarriere. Die Freundschaft zwischen den beiden, ebenso wie ihre musikalische Zusammenarbeit, brach in all dieser Zeit nicht ab.

Nach achtjährigem Hiatus haben sich Kane und Turner nun wieder zusammengefunden, um ein neues Album herauszubringen. Den beiden Musikern merkt man an, dass in diesen Jahren viel passiert ist. Beide wohnen mittlerweile in L.A., fahren teure Autos, daten Models und können ihren Platz in der Welt der Rockstarklischees auch ansonsten ganz gut behaupten. Aus den blassen, pilzköpfigen Indiebuben sind mittlerweile schneidige Lebemänner geworden.

We’ve gone from The Beatles to The Fast And The Furious.

Alex Turner

Für ihren neusten Wurf Everything You’ve Come To Expect sind sie in die Shangri-La Studios in Malibu eingezogen. Als Produzent und Schlagzeuger wurde, wie schon für das Debüt-Album, James Ford verpflichtet. Der kanadische Violinist Owen Pattell wurde ebenfalls wieder mit ins Boot geholt, um die Streicherarrangements für das Album beizusteuern.

Auch wenn Kane und Turner immer wieder betonen, dass es bei diesem Album vorrangig darum ging, zusammen abzuhängen, Spaß zu haben und dabei ein paar Songs zu schreiben, klingt das Ergebnis ziemlich ambitioniert. Vor allem Pattells Streicherparts tragen ganz wesentlich zu dem dichten atmosphärischen Sound der Platte bei. Gekonnt verbinden die Shadow Puppets ihre Indierock Wurzeln mit orchestralem Pathos. Eine Kombination die erstaunlich gut funktioniert und der Platte eine romantisch, cineastische Atmosphäre verleiht.

Romantik ist ebenfalls wesentlicher Bestandteil der Lyrics. Die Texte in Everything You’ve Come To Expect handeln in großen Teilen von hotten girls, zerwühlten Bettlaken und Lippenstiftflecken auf diversen Oberflächen.

Baby we ought to fuck

Seven years of bad luck out the powder room mirror.

The Last Shadow Puppet: Sweet Dreams

Auch wenn das inhaltliche Spektrum der Platte etwas begrenzt sein mag, merkt man Turner seine mittlerweile jahrelange Erfahrung als Songschreiber deutlich an. Statt sich darauf zu beschränken, bloß konkrete Geschehnisse und Geschichten zu schildern, geht er hier sehr frei und virtuos mit Sprache um. Häufig sind die Texte poetische, verspielte Aneinanderreihung von Assoziationen und Wortspielen. Abstrakte und teils absurde Bilder, Vergleiche und Metaphern um die Themen Sex und Romantik: „Hot procession/ Gloomy Conga of glum looking beauties/ Strolling through the opening scene“. Nicht selten fühlt man sich dabei an die amerikanische Beat-Lyrik der 50er Jahre erinnert. Es macht alles nicht immer unheimlich viel Sinn, ist aber furchtbar interessant.

Im Sommer betouren die Shadow Puppets ihr Album dann auch in Europa und kommen unter Anderem nach Dresden. Wie es danach mit dem Projekt weitergeht, steht noch in den Sternen. Wer nicht wieder 8 Jahre auf die nächste Tour warten will, sollte also zuschlagen.