An einem regnerischen Mittwoch im April mache ich mich auf den Weg zu Lara. Gemeinsam mit ihren Mitbewohnerinnen gehen wir an diesem Abend containern. Für mich ist es das erste Mal, daher bin ich sehr nervös. Es ist bereits dunkel. Als wir uns zu Fuß auf den Weg zum nächsten Discounter machen, sind die Straßen menschenleer und auch der Parkplatz, den wir bereits nach wenigen Minuten erreichen, wirkt verlassen.

Was wir dort in den Biotonnen am Wareneingang vorfinden, ist kaum zu glauben. Mindestens zwei dutzend Bananen, drei Packungen Pitabrote und noch mehr Obst und Gemüse retten wir aus der Tonne.

Lass mal weiterbuddeln.

Lara

Für mich sieht das nicht alles aus wie Müll, doch wenn es einmal dort gelandet hat, dürfen es Fremde eigentlich nicht mehr dort herausnehmen. Denn Deutschland ist eines der wenigen Ländern der Europäischen Union, in dem der Müll juristisch noch als Eigentum gilt. Aus diesem Grund ist Containern leider illegal.

Das Problem ist, dass es eigentlich Müll ist, aber trotzdem als Diebstahl gilt, wenn man das mitnimmt.

Lilli

Auch wenn es illegal ist, hat Lara keine Angst mehr, wenn sie containern geht. Eine Anzeige für das „mülltauchen“ ist sehr selten, sagt sie. Sollte es doch einmal dazu kommen, wird es eher fallengelassen. Das gäbe sonst vermutlich zuviel Aufsehen für die Discounter, die natürlich nicht wollen, dass ihre Kunden davon erfahren. Auf dem Rückweg erzählen mir die Mädels von ihrer größten Ausbeute. Außerdem stellen wir fest, dass man mit dem containern nicht nur ein Zeichen gegen Verschwendung setzen, sondern auch einige Vorteile daraus ziehen kann.

Das sind so Sachen, die würde man normalerweise nie kaufen.

Lara

Lara und ihre Mitbewohnerinnen sind Studenten und freuen sich natürlich über kostenloses Obst und Gemüse, was sonst sehr teuer ist. Manche Menschen gehen containern, weil sie teilweise davon abhängig sind. Doch es gibt auch viele „Mülltaucher“, die nicht auf die kostenlose Lebensmittel angewiesen sind. Sie wollen damit eher eine politische Botschaft senden und geben die Lebensmittel dann unter anderem auch an „Lebensmittel-Verschenke-Ecken“ ab bzw. dort hin, wo sie eher gebraucht werden.

Ich gehe in dieser Nacht mit vielen leckeren, leicht braunen Bananen nach Haus, aus denen ich Eis und ein leckeres Bananenbrot mache. Ich kann mir gut vorstellen in Zukunft selbst regelmäßig containern zu gehen. Wer noch mehr Infos zum Thema Lebensmittelverschwendung haben möchte, sollte sich unbedingt den Dokumentationsfilm „Taste of Waste“ von Valentin Thurns anschauen.