Dass Human Abfall der Sinn nicht eben nach Versöhnlichkeit steht, lässt sich bereits in der Dissonanz, die sich in der Namensgebung vermittelt, erahnen. Diese Sperrigkeit und Aggressivität verlängern sich auch in Duktus sowie Haltung der vierköpfigen Gruppe um Frontmann Flavio Bacon und verleihen ihr jene spezifisch-kantige Anmut, die dann und wann die Klassifizierung „aggressives Beamtendeutsch“ evoziert. Bacon selbst bedient in dieser Konstellation kein Instrument, sondern schlüpft in die Rolle eines manischen Quasi-Predigers und zeichnet nach Selbstaussage folgerichtig auch für Agitation statt profan für Gesang verantwortlich.

Und tatsächlich verlieren Human Abfall keine Zeit damit, in Nebensächlichkeiten zu verharren, sondern exerzieren nichts weniger als die menschliche Kondition im Kontext des Hier und Jetzt, dem Europa des Jahres 2016, durch. Wenngleich auf Form und Zweck also stilistisch an den Vorgänger angeknüpft wird und dadaistische Aphorismen das lyrische Bild bestimmen, flackern unverhohlen konkrete politische Bezüge auf, denn inbesondere rechtspopulistische Strömungen mitsamt ihren verschwörungstheoretischen Auswüchsen provozieren als in ihrer Einfältigkeit, Rohheit und Realitätsflüchtigkeit im Kern apolitische Rückzugsgefechte den offenen Spott des Quartetts.

Doch Human Abfall arbeiten sich nicht einfach an einschlägigen Zeitgeist-Phänomenen ab, sondern durchleuchten die Plattform, auf der derartige Zustände gedeihen können und hinterfragen die Verfasstheit des Subjekts in modernen Gegenwartsgesellschaften. Schon die Single Bequeme Stellung macht den gemeinbürgerlichen Emanzipationsgrad und einen Selbstbestimmungsradius, der seine Kreise nicht weiter als um Kegelheim, Campingplatz und das nächste Fußballgroßereignis zieht als Rahmung für ein gesellschaftspolitisches Krisenbewusstsein aus, das sich im Protestgebaren in bloßer Komplexitätsreduktion erschöpft.

Human Abfall machen diese Beklemmung wie aktuell keine zweite Band im deutschsprachigen Raum greifbar, denn wenn die bisweilen unheilschwangeren, zerhackten Gitarrenriffs in Korrespondenz mit der zynischen Schärfe in Bacons Gesang treten, findet die inhaltliche Bissigkeit des Vortrags ihr perfekt austariertes musikalisches Gegenstück. Dass sich die Band dabei trotz aller Negativität nie in Verbissenheit oder Eintönigkeit verliert, liegt vor allem daran, dass Humor nicht nur in ihren Interviews eine zentrale Rolle einnimmt und macht Human Abfall zur womöglich relevantesten Band aus dem Stuttgarter Umfeld.

Wer sich in der Live-Version vom agitativen Charme und den musikalischen Qualitäten des lärmenden Vierers überzeugen will, dem fehlt praktisch nur noch die Gunst der Campusradio-Losfee zur vollendeten Glückseligkeit: für das Konzert am 19.5. im Ostpol stellen wir 2 x 2 Freikarten bereit. Alles, was ihr dafür tun müsst, ist eine E-Mail mit dem Betreff Knietief im Falschen und eurem vollständigen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de zu schicken. Viel Glück allen Teilnehmenden!