Jetzt im Ernst?

„Dios perdone a América“ (Gott vergib Amerika) titelt die spanische Zeitung el Perdiódico, „What have they done?“ (Was haben sie getan?) der britische Daily Mirror,  „Jetzt im Ernst?“ die taz und Die Welt druckt ihre Titelseite verkehrt herum mit dem Titel: „Die Welt steht Kopf.“ Unverständnis und Schock beschreiben die Stunden nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses am besten. Was folgt, sind Erklärungsversuche, wie es so weit überhaupt kommen konnte, Prognosen und wage Vermutungen, was jetzt auf Amerika und die Welt zukommen wird.

Wie gut kann ein republikanischer Präsident sein, von welchem sich selbst die eigenen Parteimitglieder distanzieren? Wie „great“ kann ein Land sein, dessen Präsident rassistisch, homophob, xenophob und misogyn ist? Großartig ist es gewiss nur für die Anhänger, die den vorangegangenen Präsidenten Barack Obama als „Nigger“ bezeichnet haben, die „Grab her by the Pussy“ als Aufforderung sehen und die mit Begeisterung dem Bau der Mauer entlang der Grenze zu Mexiko herbeisehnen. Für alle anderen, für Frauen, Homosexuelle, Muslime, Afroamerikaner, für alle Minderheiten, kommt mit Trumps Wahlsieg vor allem nur eins: Angst. Angst vor Anfeindungen, Gewalt, Übergriffen und Belästigung. Aber auch Angst vor dem, was jetzt kommt.

Wenn Trump das kann, warum nicht auch seine Wähler?

Ein Volk, das selbst unter Obama stark von Fremdenfeindlichkeit geprägt wurde, ist ein Land, in dem sich trotz Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare, Standesbeamte weigern, eben jene zu trauen, in einem Staat, in dem Richter einen schuldigen Vergewaltiger nur zu sechs Monaten Haft verurteilen um ihm seine Zukunft als Stanford Student und Schwimmer nicht zu zerstören, kann unter einem Mann wie Trump nur schlimmer werden. Warum sollten Wähler ihren Rassismus, ihren Fremdenhass, ihre Homophobie in Zukunft nicht offen zeigen? Wenn Trump das ohne Konsequenzen kann, dann auch seine Wähler. Warum sollten seine Anhänger die Rechte Homosexueller respektieren? Warum sollten sie die Rechte von Frauen respektieren, wenn es Trump selbst nicht tut?

„Make America White Again!“

Schwangerschaften sind schlecht für jeden Arbeitgeber? Wenn ich eine Frau will, küsse ich sie einfach oder fasse ihr zwischen die Beine? Klar, warum nicht?! Trump kann das ja auch. Trump kann auch Beleidigen. Geistig und körperlich Eingeschränkte, Kriegsveteranen, Farbige, Frauen. Eigentlich, alle. Und was Trump kann, können seine Wähler schon lange. Wahlveranstaltungen beweisen genau das. Rufe wie „Nigger“, „Bitch“ oder „Cunt“ (insbesondere im Bezug auf Hillary Clinton) sind keine Seltenheit. Seit der Nacht vom 9. November werden sie auch auf Amerikas Straßen laut, in Bussen, an Schulen und Universitäten. Die Medien sind voll von Anfeindungen, es braucht nicht viel Recherche um Posts und Bilder mit „Go back where you came from“ oder „Make America white again!“ zu finden. Mit Trump kann die amerikanische Gesellschaft nur in Chaos stürzen. Szenarien, wie die aus bekannten Hollywood Filmen wie „The Purge“ (Die Säuberung) scheinen da gar nicht mehr so weit entfernt.

Trump ist doch eigentlich ganz nett

Aber richtig, glaubt man seinen Anhängern und Befürwortern, ist Trump ja ganz anders. Er ist ja gar nicht rassistisch und hat auch gar keine Verbindungen zum Ku-Klux-Klan. Er weiß ja gar nicht, was das ist. Insbesondere nicht, weil beide seine Eltern stolze Mitglieder des KKK sind. Wie kann Trump da bitte wissen, was der KKK ist und wofür er steht? Und ein Problem mit Frauen oder Schwangerschaft hat er auch nicht. Er schmeißt Frauen mit weinenden Kindern nur aus seinen Kundgebungen, weil sie eben stören. Sexuelle Belästigung verherrlicht er auch nicht. „Grab her by the Pussy“ ist ja quasi nur ein Scherz unter Männern. Man spricht halt so. Homophob ist er ja auch nicht. Schließlich hat er ja nichts gegen Schwule oder Lesben, nur eben heiraten sollten sie nicht. Und die Rechte, die der Supreme Court Homosexuellen eingeräumt hat? Die sollten sie auch nicht haben. Aber er ist ja nicht Homophob. Und Transsexualität? Wieso sollte soetwas überhaupt akzeptiert werden?

Donald Trump kann vieles sein. Das beweist er ja schon mit seiner bewussten Entscheidung zu oranger Hautfarbe, welche er dank Selbstbräuner mit einem Stolz trägt, mit dem es kein Zweiter kann. Nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sollte er nicht sein. Das Menschen, wie Donald Trump, keine Macht besitzen sollten, das hat Hitler bis 1945 Deutschland und der Welt bewiesen.


Dieser Kommentar wurde von unserer Redakteurin Chris verfasst.