Klaus Johann Grobe sind keine Unbekannten. Denn das eidgenössiche Duo, dessen Name zunächst mal Unfunkyness bis ca. Oberkante Unterlippe ausstrahlt, konnte trotz seines – in fremdsprachigen Gefilden traditionell eher stirnrunzelproduzierenden – deutschen Vortrags Erfolge in USA wie UK verbuchen und sich dabei gar in die Herzen der trendsetzenden Gottheit Pitchfork orgeln. Es wird also klar: neben Schokolade, Käsefondue und diplomatischem Geschick wird nun offiziell auch Popmusik im Schweizer Export-Sortiment geführt.

Neben der Eigenheit deutschen Gesangs dürfte aber vor allem der analoge Sound zum entscheidenden Trademark gerinnen: und so leuchtet es ein, dass nicht nur das Durchbruchsalbum Im Sinne der Zeit von einer exponierten Orgel – deren Oberhand ein tänzelnder Bass allerdings hartnäckig in Frage stellt – angeleitet wird, sondern auch das in diesem Jahr nachgeschickte Spagat der Liebe sich nur insofern etwas konventioneller ausnimmt, als es offener von zeitgenössischen Gehörkanälen vertrauteren Synthie-Klängen durchsetzt wird und so an Leichtigkeit in der Produktion gewinnt.

Der Ton bleibt also derselbe: soulige Wärme durchstößt krautige Nebelschwaden, Prog-Essenzen duellieren sich mit Synth-Pop und der groovige Unterbau hält alles am Köcheln. Eine zentrale Komponente bleibt der NDW-verbürgte Sprech, dessen alltagsbezogener Mikrokosmik eine Firnis mal romantisch-opulenten, mal naiven Sentiments aufsitzt, die den Anschein eines strukturellen Nostalgismus, den der Wechsel in einen bisweilen schwelgerisch-sehnsüchtelnden Gesangsmodus noch konzentriert, erweckt, so dass Songs wie “Ein guter Tag” oder “Springen wie damals” anfällige Herzen akuten Schmelzgefahren aussetzen.

Doch diese Schlagerreferenz hat bei Klaus Johann Grobe programmatischen Charakter und wird nicht aus bloßer Geschmacklosigkeit inauguriert: klischierte Merkmale kumulieren sich zu idealtypischen, mithin überzeichneten Bildern – siehe Liedtitel a la “Rosen des Abschieds” oder “Liebe am Strand” – und verbünden sich mit dem Sound zu einem unwiderstehlichen Dritten. Nun ist dieses Schlagermotiv zwar keineswegs neu, wird hier aber so ausdrucksstark wie selten zuvor im deutschsprachigen Popraum umgesetzt: “Ohne Mich” zerfließt in Ariel-Pink-mäßiger Lieblichkeit und “Liebe am Strand” lässt ein stilsicheres Querflötensolo von der Leine.

Klaus Johann Grobe bewegen sich gewandt im Koordinaten- und Zeichensystem v.a. jener deutschsprachigen Popmusik, dekodieren ihre Geschichte und schreiben sie fort; denn textliche Uneindeutigkeit und Humor lassen einen doppelten Boden erkennen: Das hier ist mehr als schlichte Sehnsüchtelei und der Rosa-Wölkchen-Eskapismus, für den man ihn von Weitem vielleicht halten könnte. Vor allem aber ist es mehr als ein bloßes Rückzugsgefecht, das Harmonie einfach nur plump-ironisch bricht, sondern mit Mut, Spaß aber auch dem nötigen Ernst entwickelter Pop, der spielerisch die Grenzen des Formats auslotet und es dabei versteht, ästhetische Gegebenheiten zu dehnen und überschreiben.

Und sollte sich in euch nun die Sehnsucht nach Live-Klängen von Klaus Johann Grobe regen: Wir schaffen Abhilfe. Sendet uns hierfür eine E-Mail mit dem Betreff “Tanzabend” und eurem vollen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de und qualifiziert euch somit für die Chance, 1×2 Freikarten für das Konzert im Ostpol zu gewinnen. Hals- und Beinbruch!