Als wir in der Redaktion über das Garagen Pop-Duo aus Berlin und das anstehende Konzert redeten, kamen zahlreiche Fragen zur Sprache. Bereits der Bandname und dessen Aussprache sorgte für Fragezeichen. Ist Gurr ein onomatopoetischer Ausdruck für das charakteristische Geräusch einer Taube? Oder ist er doch eine Anlehnung an den englischen, verzerrten Ausdruck Gurl und damit Verweis auf die Riot-Grrl-Bewegung der 90er Jahre? Unklar bleiben zuweilen auch die Zusammenhänge zwischen Track Titeln und deren Inhalten. Wie fügt sich eine „Walnuss“ in die besungene Belanglosigkeit? Sicher können das wohl nur eine detaillierte Textanalyse oder Andreya Casablanca und Laura Lee selbst beantworten.

Eigentlich sind diese Antworten aber irrelevant, denn was vollkommen außer Frage steht ist das Gefühl für unbekümmerte Melodien und nonchalante Texte.

Gurr fühlt sich an wie ein Road Trip ohne bestimmtes Ziel, hemmungsloses Rumspringen durch deine Küche oder Baden gehen in tiefschwarzen Sommernächten mit deinen Freunden, während etwas Alkohol die fehlende Mittelmeerwärme ausgleicht. Das komplette Album In My Head zeichnet sich durch derartige Atmosphären, fiktive Welten und inszenierte Charaktere aus. In „Song for Mildred“ werden genau jene Momente zwischen Sunset Boulevard und Malibu Beach beschrieben, wenn noch ein Schluck genommen wird, um den Kopf auszuschalten. Dann ist es kurz egal, was irgendwo sonst noch so vor sich geht, oder wer dich in diesem Moment hibbelig herumtanzen sehen könnte.

So kitschig wie sich das jetzt zunächst anhört sind die Klänge der First Wave Gurrlcore Band, wie die beiden ihre Musik selbst bezeichnen, zum Glück gar nicht.

Viel mehr besitzen die Zwei, auch nach eigener Aussage, die Rotzigkeit einer trashigen 60s Girl Group und balancieren die sehr poppigen und mädchenhaften Vocals wunderbar durch Wave und Psychedelic Rock Elemente aus.

Grund für diese unbemühte Harmonie ist vermutlich die enge Freundschaft der beiden Girls, die sich beim Studium in Berlin in einem Academic English Kurs kennenlernten und dann zeitgleich ein Auslandssemester in den USA absolvierten. Während ihres Aufenthalts in Kalifornien begannen auch die ersten musikalischen Experimente. Spürbar wird dies in den kraftvollen und sehr fließenden Surf Pop Einflüssen, die den Songs ihre Leichtigkeit und Eingängigkeit verleihen. Aber auch Berlin wird in Songs wie „Diamonds“ spürbar, wenn durch eine sich stetig wiederholende Bassfigur die imaginäre Lokalisierung des Songs von der West Coast in eine rockige, nikotingeschwängerte Bar unserer Landeshauptstadt verschoben wird.

Und ganz egal ob ihr nun die Frage nach dem Bandnamen klären, einfach nur für Leere im Kopf sorgen, euch von Surf Pop nach Kalifornien oder von Punk Rock nach Berlin versetzen lassen wollt, eins werdet ihr bei Gewinn der Freikarten für den 25.1. im Ostpol ganz bestimmt, und zwar tanzen. Also, versucht euer Glück und schreibt eine Mail mit dem Betreff „Taubenphobie“ an gluecksfee@campusradiodresden.de. Wir wünschen viel Erfolg!