Die frühen 90er. Die Zeit, in der Deutschpop eine neue Sensibilität entwickelte und über Nischen hinaus transportieren konnte, eine Zeit, in der melodieselig am Dispositiv  geschliffen wurde. Die versiertesten Meister am gesellschaftspolitischen Hobeleisen entstammten seinerzeit der „Hamburger Schule“ und obwohl diese heute nur noch als weit entferntes Stück Zeit aus Geschichtsbüchern winkt, konnten sich einige wenige unter ihnen der Logik zyklischen Szene-An- und Abschwellens widersetzen: Tocotronic sind quasi-unhintergehbare Institution avancierter einheimischer Popmusik, Jochiboy distelmeyert noch immer fidel durch kulturindustrielle Apparaturzweige und auch Die Sterne sind längst zum Begriff für Nachgeborene geworden. Dass jene Sterne dabei allerdings gefühlt nie so ganz denselben Resonanzraum wie Tocotronic und Blumfeld erwirken konnten und in Relation fast so etwas wie ein Geheimtipp blieben, obwohl sie Pose, Verweis und Substanz vielleicht so glühend wie keine andere Band aus dem Umfeld verdrahteten und den Zeichenvorrat hiesiger Rockhistorie durch ihren stilbrecherischen Soundentwurf am selbstverständniszerrüttendsten von allen dreien erweiterten, ist beinahe eine kleine Ungerechtigkeit.

Denn die Sterne zuckten noch nie nur durch die eigene Umlaufbahn, waren immer weltgewandt – ein System, das sich offen zu einem Außen verhält, um den eigenen Selbsterhalt abzusichern. Punk wurde hier schon immer P-O-P buchstabiert, der Sound ein weitläufiger Raum, dekoriert mit Einflüssen aus Swing, Hip Hop und Disco. Dennoch zieht sich bei aller Disparität und Binnendifferenzierung ein roter Faden durch die Diskographie: Der schiefe Songwuchs wird speziell in der Hochphase der Band durch eine Art verquere Funkyness, tanzbeinumschmeichelnde Melodiösität und nicht zuletzt Texte, die gesellschaftliche Wirklichkeit sprachlich abstrakt und doch direkt auffangen und durch die Linse des Privaten reflektieren, zusammengehalten, so dass jede Gefahr von Willkür, die sich in derartig offene Konstellationen nur zu gern einnistet, bereits im Keim erstickt wird.

Es verwundert also kaum, dass auch eine anlässlich der Feierlichkeiten initiierte Compilation, die aktuelle Favoriten und alte Wegbegleiter der Band versammelt, nicht zur selbstverliebten Nabelschau verkommt und sich stattdessen dem Modus der Abwechslung verschreibt. Das eigene Material wird hier nicht zum zu bestaunenden Exponat erhoben, sondern der Umwandlung preisgegeben. Neue Facetten sollen herausgestrichen und frische Perspektiven eröffnet werden, denn die Sterne wissen: jede Selbstbeweihräucherung führt zu Verwaltung und Regress – und dafür findet sich im Sterne-Kosmos auch nach 25 Jahren noch lange kein Platz.

Sollte sich in euch Elan für Live-Klänge von Den Sternen regen: Wir schaffen Abhilfe. Sendet uns hierfür eine E-Mail mit dem Betreff “Risikobiographie” und eurem vollen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de und qualifiziert euch somit für die Chance, 2×1 Freikarte für das Konzert im Beatpol zu gewinnen. Auf dass die Sterne für euch günstig stehen!