Ouh là là

BY

Juniore

Release

03.03.2017

Label

Le Phonographe

Betrachtet man die Entwicklung europäischer Popmusik, so stößt man zwangsläufig auf die Wiederbelebung populärer Konzepte der letzten Jahrzehnte. Nostalgisch wird der Staub von der Hammond-Orgel geblasen und Reverb ist wieder très chic. Die Pariser Musikszene stellt hierbei einige Geheimtipps und Leckerbissen bereit, welche eine stilvolle Liaison aus Retro und (Post-)Moderne präsentieren.
Juniore ist eines dieser neuen unverschämt lässigen Projekte einer Generation, die seit einer gefühlten Ewigkeit an der Schwelle der Identitätsfindung steht und die ständigen Fragen und Anforderungen einer eindeutigen Positionierung diesbezüglich konsequent abstraft: „Kette rauchen, Bio kaufen!“ - Ouh là là. Feminismus und Sex schließen sich nicht aus. Diese Botschaft wird wunderbar lakonisch transportiert und ironisch kommentiert von einer neuen Welle junger und vornehmlich weiblicher Musiker, in diesem Falle vom Dreigestirn Anna, Agnès und Swanny.

Die charmante, zuweilen düstere Stimme von Schreiberin und Sängerin Anna Jean wirkt hierbei immer dezent und erhaben und wird stilvoll von einer dahintreibenden Gitarre und unaufgeregt eingebetteten Synths akzentuiert. Jean schafft es damit eine wohlig-dunkle Atmosphäre und ein akustisches Bild zu kreieren, welches Quentin Tarantino ins Biarritz der 60er Jahre versetzt. Der Opener und Titeltrack von Ouh là là baut als instrumentales Intro bereits einen Bezug zum Sound auf, der letztendlich das gesamte Album bestimmen wird. Surf Rock trifft auf französische Coolness. Daraus entsteht eine wohltuende Mischung stilbildender Größen des modernen Frankreichs wie Francoise Hardy, Nico und der Nouvelle Vague. Produziert wurde die Scheibe von Samy Osta, welcher sich ebenfalls für Produktionen bereits bekannterer Künstler dieser Strömung wie La Femme oder Feu! Chatterton verantwortlich zeigte. Einfache aber unerhört ansteckende Rhythmen in Titeln wie „Panique“ oder „Tu va, tu viens“ erhöhen beim Zuhörer zuweilen die Schrittlänge, gelegentlich kommt es zu leichten Bewegungen der Schulter und in vielen Fällen ist eine Anpassung zwischen Herzfrequenz und bpm ermittelt worden. Nebenwirkungen sind vorhanden, Risiken jedoch auszuschließen.

Juniore schaffen es mit ihrem Debüt außerordentlich geschickt, sinnliche und bittersüße Melancholie mit Chic und Tempo auszustatten und ihr damit das leidvolle Stigma des konsequent Negativen zu nehmen. Gespickt mit Nostalgie und Reminiszenzen an die glorreichen Zeiten des Yéyé, bietet es einen distinktiven und entstaubten Sound. Mal aufregend, mal unaufgeregt. Wie den passenden Wein zum Hauptgericht servieren Juniore hier den Sound für laue Sommerabende in denen der Zwiespalt von rastlosen Köpfen auf ruhenden Körpern immer wieder von neuem ausgefochten wird. Damit reihen sie sich nahtlos in eine Riege aufstrebender junger Projekte ein, welche die französische Independentmusik redefinieren, ihr dadurch eine neue Dimension verleihen und sukzessiv Bewegung in eine als lethargisch und unmündig gebrandmarkte Jugend bringen.