Studien zufolge beginnen die meisten Menschen ab dem 33. Lebensjahr, nurmehr altbekannte Musik zu hören. Natürlich ist der größte Anteil unserer Leser vermutlich weit von diesem Alter entfernt, aber sollte man sich nicht schonmal provisorisch fragen, wie man diesem Schicksal entgehen könnte? Während im Streamingdienst des Vertrauens die Überwindung, eine unbekannte Playlist anzuklicken schier unendlich scheint, fällt es schon schwerer wegzuhören, wenn der völlig unbekannte Künstler einem direkt gegenüber steht. Diese Chance zur bietet auch dieses Jahr wieder auf der Reeperbahn in St. Pauli.

Mit über 70 Spielstätten auf engstem Raum bietet das Reeperbahnfestival über seine vier Spieltage hinweg mehr Programm, als sich irgendjemand in so kurzer Zeit anschauen könnte. Allein über 500 Bands (von den Wortbeiträgen noch gar nicht „gesprochen“) treten im Rahmen des Festivals auf, jede mit den Hoffnungen und Erwartungen, bei ihrer Show als das „nächste große Ding“ entdeckt zu werden. Denn der Großteil der auftretenden Namen sind noch völlig unbekannte Newcomer, oder wer hat z.B. bis jetzt von Joe Fox, Ary oder der niederländischen Band Dakota gehört? Bekanntermaßen könnte sich das demnächst schlagartig ändern, der 20. bis 24. September bietet also reichlich Gelegenheit, den Soundtrack mit dem heißesten Scheiss fürs nächste Jahr zusammenzusuchen. Eine Art „Dein Mix der Woche“ im real life quasi, mit genauso obskuren Namen, aber dafür deutlich sympathischer.

Natürlich dürfen auch einige bekanntere Highlights zur Abwechslung zwischendurch nicht fehlen, und mit Bands wie Isolation Berlin, Maxïmo Park und Zugezogen Maskulin kommen Fans aller Genres auf ihre Kosten. Für Freunde des protzigen Konzerthallenbaus oder auch einfach nur der Architektur gibt es zudem noch die Möglichkeit, sich abseits von Ticketverlosungen und langen Wartezeiten einen kleinen Traum zu erfüllen: Für drei Konzerte öffnet die neuerbaute Elbphilharmonie ihre Pforten. Die Künstler Dillon, Arcade Fire- und Sufjan Stevens-Kolloborateur Owen Pallett mit s t a r g a z e und Daniel Brandt mit Eternal Something geben sich im (sehr) großen (und sehr teueren) Konzertsaal bei sicherlich bester Akustik die Ehre. Apropos Owen Pallett; dessen Heimatland Kanada steht dieses Jahr im Fokus des Festivalprogramms und präsentiert die feinsten neuen Acts seiner Musikszene. Als mittlerweile feste Größe im Popbusiness mit ständig neuen, frischen und tollen Nachwuchsbands macht man sich keine Sorgen, bei den Kanada-Konzerten etwas umsonst zu besuchen.

Zu guter Letzt ist das Reeperbahn Festival in den letzten Jahren auch zu einem festen Datum der Musikindustrie geworden. Neben vielen verschiedenen Vorträgen werden auch der Musikpreis „Anchor“ und der Festivalpreis „Helga“ (wie sollte er auch sonst heißen) verliehen. Somit entsteht an den vier Septembertagen ein buntes und abwechslungsreiches Programm, das sich kein Musikfan entgehen lassen sollte.

Eure Musikredaktion ist auf Entdeckungstour vor Ort - solltet ihr euch auch in dem ein oder anderen Club aufhalten und wollt bei einem Bier über eure Neuentdeckungen reden, schreibt uns einfach eine Nachricht bei Facebook!

Hier könnt ihr die Playlist zum Festival nachhören: