Äußerlich hat sich nicht viel verändert bei Roman Geikes, besser bekannt als Köpenicker Rapper Romano, nach wie vor kann ihn man nur um seinen schillerndes Auftreten und die stets tadellose Frisur beneiden, auch wenn er die blonden Zöpfe nicht selbst flechten kann sondern nach eigener Aussage lieber fremde Menschen darum bittet. Auch der Sound seines zweiten Albums Copyshop schließt nahtlos ans Erfolgsrezept des Vorgängers Jenseits von Köpenick an.

Tatsächlich sind sich die Alben so ähnlich, dass es kaum auffällt wenn YouTube im Autoplaymodus nach „König der Hunde“ direkt zu einem seiner bekanntesteten und beliebtesten Songs „Metalkutte“ schaltet. Romano bleibt sich treu und ist nicht, wie viele andere deutsche Künstler aus dem Hip Hop Bereich, auf den Trap-Zug aufgesprungen. Auch namhafte Features sucht man vergebens. Nach wie vor untermalen schlicht starke Basslinien die eingängigen Zeilen.

Es sind die starken Kontraste, beispielweise zwischen zarten Pianoklängen und deren synthetischer Verarbeitung hin zu elektrischen Elementen in „Champagnerbar“, die trotz des simplen Rezepts Einzigartigkeit ermöglichen.

Das einzige, was sich verändert hat, ist die inhaltliche Schwere der scheinbar so schlichten und unterhaltsamen Songs. Ging es auf Jenseits von Köpenick um absurd scheinende Begebenheiten und wurden Oden an einen „Klaps auf den Po“ geschrieben, so behandelt Romano nun vielmehr seine Vergangenheit. Er beleuchtet den Mauerfall in „König der Hunde“ aus seiner Perspektive oder lässt uns in „Karl May“ an seiner Beziehung mit seinem Vater und den kindlichen Cowboy-und-Indianer-Spielen. Letzterer erklärt zum einen die ikonische Frisur, ist zum anderen aber auch eine wunderbare Illustration der Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Aus Spielgefährten und Kindheitshelden werden Menschen und irgendwann ist der Vater nicht mehr als ein alter Mann. Insgesamt ist dieser sanfte Schmerz eine grandiose Entwicklung, denn sie lässt uns hinter die Kunstfigur Romano sehen und verleiht den (zugegebenermaßen bisweilen monotonen und gleichförmigen) Songs unerwartete Tiefe.

Trotzdem ist auch die Ähnlichkeit der neuen Songs zum alten Album, insbesondere bei verstärkt elektronischen Songs wie „Mutti“ oder „Anwalt“, nicht als etwas Negatives zu sehen. Man kann sich verlassen auf feinsten Observational Rap in dem sympathische Erzählungen authentisch das Berlin einfangen, in dem sich der Rapper bewegt und uns dabei noch lange im Ohr bleibt.

Letzteres mag auch an den unzähligen lyrischen Wiederholungen liegen. Vor allem im Titeltrack „Copyshop“ ist irgendwann unklar wie oft man gerade „Copy-, Copy-, Copy-, Copy-, Copyshop“ gehört hat. Aber so fällt es immerhin nicht schwer, die Songs lautstark mitzusingen.

Wenn ihr nun mit Romano Haarpflege Empfehlungen austauschen wollt, ihm endlich mal das Flechten beibringen oder euch einfach zu hämmernden Beats und obskuren Texten unkoordiniert bewegen wollt, dann ist das hier eure letzte Chance auf 2×2 Tickets für den 25.10. in der Scheune. Schreibt uns euren vollen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de unter dem Betreff „Blonde Zöpfe“ und vielleicht sieht man sich dort. Viel Glück!