Backwater

BY

Kllo

Release

20.10.2017

Label

Different Recordings

Eins vorneweg: vor der Klangsimilarität des Bandnamens zum deutschen Lokus dürfte die beiden Cousins aus Melbourne keiner gewarnt haben, als sie sich an einem schönen Tag im Jahre 2014 dazu entschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Streng genommen spricht man das o nach dem Kll auch wie ein Oh! in „Oh man, what a lame joke“ aus und könnte sich somit die bemitleidenswerte Pointe auch sparen. Viel interessanter ist es doch zu hören, wie der obige Entschluss zustande kam: Sowohl Chloe Kaul als auch ihr Vetter Simon Lam waren zum Zeitpunkt der Bandgründung schon musikalisch unterwegs, schrieben bzw. frickelten aber lieber alleine an ihren Songs, die ins Folkige (Chloe) bis Elektronische (Simon) reichten. Erst das Machtwort einer Mutter bewegte die beiden dazu, ihren ersten schüchternen Song „False Calls“ aufzunehmen, der dann aus dem Stand auf heute 6,8 Millionen Spotify-Streams kam.

Beflügelt von ersten Erfolgen produzierten die beiden noch zwei weitere EPs Cusp und Walls to Build, mit deren Hilfe sie 2016 immerhin schon 34 Konzerte auf der ganzen Welt spielten. Letztere EP markierte auch den Zeitpunkt, an dem sie zu ihrem jetzigen Label wechselten, kein geringeres als das prestigeträchtige Ghostly International, wo auch Genregrößen wie Com Truise und Tycho veröffentlichen. (In Europa erfolgt der Vertrieb durch den PIAS-Ableger Different Recordings). Nun erscheint dort mit Backwater ihr erster Langspieler.

Entstanden sind die Songs des neue Albums größtenteils auf Tour, die anschließenden Feinschliffe fanden nach der Heimkehr in Lams Bungalow statt, einem Ort den die Band „einen Hafen für spontane Kreativität“ nennt. Die Inspiration für die Texte kam aber vermutlich schon eher, in einsamen Stunden unterwegs oder vor Auftritten. Bestes Beispiel hierfür ist „Virtue“, ein purer und ehrlicher Song über Trennungsängste, der sich in einem Gewand aus pulsierenden Synths und leise trommelnden Beats präsentiert, bis die Frage „Can I count on you?“ eine Zweitzündung des Hooks initiiert.

Auch andere Songs des Albums enthalten dieses Isolationsmotiv, wie „Last Yearn“ oder „By Your Side“, wobei letzteres mit zwei Zeilen auskommt: „Want to be by your side again/ call you“. Natürlich transportiert dieser Text so gut wie keinerlei Botschaft, aber hier wird besonders deutlich, wie großartig Kllo darin sind, aus Melodien Stimmungen zu schaffen. Soundtechnisch zumindest können sie es mit ihren großen Vorbildern schon aufnehmen, ein Jamie XX klingt bereits jetzt näher als ihre drei Jahre alte erste Single.

Überhaupt ruft der Sound viele Erinnerungen an Two-Step, UK Garage und Neunziger-Tanzmusik hervor, wie man sie auch bei Four Tet oder Daphni findet, die wiederum von Kllo als große Einflüsse genannt werden. Wenn ihre EPs der Sprung vom Beckenrand waren, ist Backwater das Eintauchen ins kalte Electronica-Indie-Pop-Wasser, und legt die Latte in ihrem Genre wieder ein Stück höher. Wie gut die Musik von Kllo aber erst wird, wenn sie sich mal warmgeschwommen haben, kann man sich zur Zeit nur erträumen.

Backwater von Kllo ist am 20. Oktober auf Different Recordings erschienen.