Lässt man seinen Blick schweifen über das weitläufige und immer weiter expandierende Hip-Hop-Panorama en Allemagne ist das der schnellste und zuverlässigste Weg um zu einer krüpplischen Depression zu kommen und auch schon fast wieder ein Grund ein Buch zu lesen um die geistige Leere wieder loszuwerden, wie es schon Retrogott 2006 als der führende Hurensohnologe seiner Zeit diagnostizierte.

Eine Dekade später ist es immer noch notwendig die Wackness zu bekämpfen, die immer virulenter um sich greift. Ist dieser Kampf zu gewinnen? Nicht wirklich, aber wenigstens kann man ordentlich Sachen und Leute kaputtmachen, die einem auf dem sicherlich spaßigen Weg in der seltsamen intellektuellen Einöde begegnen. Waving The Guns jedenfalls haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Überflieger, wie sie es euphemistisch ausdrücken, mit der Flak aus der Luft zu holen.

2012 gründete sich die Band im beschaulichen Rostock, das bekannt ist für Nazis (die gute alte Lichtenhagengeschichte), Marteria und einen semierfolgreichen Fußballverein, dessen Fans allerdings das Prinzip Promo verstanden haben. Deutlich beeinflusst vom deutschen Untergrundrap à la dem bereits erwähnten Rapper formerly known as Kurt Hustle, Westberlin Maskulin und auch Prinz Porno, macht die Crew mit samplebasierten Beats, die man wohl mit „90er-Sound“ beschreiben müsste und martialischen Kampfansagen an die Konkurrenz auf sich aufmerksam, dabei schafft man es sogar sich nicht homophob oder sexistisch zu äußern (ob das noch unter die „Kunstform“ Battlerap fällt, müsste man mal den Boss „die-Juden-sind-doch-selber-schuld-dass-man-sie-nicht-mag“ Kollegah fragen).

Nach dem ersten Album Schlachtrufe konnte man sich mit dem Hamburger Label Audiolith auf einen Plattenvertrag einigen, zwei weitere LPs sind bisher mit deren Unterstützung entstanden, aber teilweise immer noch neben dem Bett zu Hause aufgenommen: Waving The Guns stehen bewusst für DIY-Attitüde und Musik, die sich nicht nach den durch den Markt vorgegebenen Hörgewohnheiten richtet, sondern sich zurücksehnt in das New York von Nas und Big L.

Wer Lust hat, sich Waving The Guns live zu geben, ist glücklicherweise hier an der richtigen Adresse: wir verlosen 1×2 Karten für ihre Show, bei der sie hoffentlich die Chemiefabrik abreißen werden wie ein Tieffliegerangriff. Schreibt uns einfach eine Email mit dem Betreff „WTG“ an gluecksfee@campusradiodresden.de. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Viel Glück!