Neues Glück

BY

Memo an Miller

Release

27.10.2017

Label

Department Music

Es ist schwierig, dieses erste eigene Album. Noch schwieriger soll das zweite dann werden. Ungefähr so wird es sich auch für Memo an Miller angefühlt haben, die vorher schon die EP Nur mal kurz mein Leben leben veröffentlicht haben. Aber anstatt sich für den ersten Longplayer neu zu erfinden, nehmen Memo an Miller ihren Entwurf in die Hand und kreieren daraus Neues Glück. Es war unschön, dass sich das Album um einige Monate verzögert hat, denn eigentlich sollte es schon im Sommer ’17 erscheinen, doch das Warten hat sich gewaltig gelohnt.

Dass die drei Jungs um Sänger und Gitarristen Nico Stegmiller wissen, was sie tun, hört man deutlich. Vom ersten Lied an bekommt man hier ein durchweg sehr rockiges Album gegeben. Da kann man mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug nicht einfach mal so vor sich her spielen. Gekonnt singen und spielen sie sich durch die „typische“ Vorlage einer Rockband, bleiben aber nicht dabei. Sie schaffen es, markante Melodien mit den Gitarren zu liefern, stellen diese aber meist nicht in den Vordergrund, denn diesem Platz gebührt mehr als verdient dem Sänger. Seine Melodien und Texte machen die ganzen Lieder erst rund. So mag man vielleicht einer kitschigen Zeile wie „Es ist als ob mein Herz ertrinkt; in meinem Lieblingsbier“ aus „Es hört nie auf“ ein verlegendes Lächeln entgegnen; man mag es ihnen aber auch eher verzeihen als einigen anderen Popmusikern. Gekontert wird so ein Text jedoch durch die Unbeschwertheiten von „Unsichtbar“ oder „Vernunft“. „Geh bitte, leck mich!“ in einem Poprefrain so ehrlich zu verbauen, finde ich mutig und schwer. Gemeistert haben sie es trotzdem.

Auf Songs mit ziemlich viel Pop am Anfang des Albums folgt zum Ende hin zwar nicht weniger davon, aber dafür mehr Rock, der sogar mal richtig hart werden kann. Befindet sich natürlich auch der obligatorische ruhige Track „Unsichtbar“ auf dem Album, verlieren sich die Jungs leider ein wenig auf Albumlänge. Im Schnitt ist jedes Lied gut 4 Minuten lang, das gibt jedem Lied zum einen vielleicht die Zeit sich zu entfalten, man fällt jedoch sehr schnell in eine Spirale aus Repetitivität. Um so überraschender wirken die letzten Songs. Während „Jedes Schwarz wirkt nur noch grau“ einen ähnlichen Groove fährt wie das entspannte Riff aus dem Titelsong „Neues Glück“, ist „Verweht“ das Highlight des Albums. Schwimmt es anfangs noch auf den Gitarren vor sich her, explodiert die Bridge musikalisch schon fast in Post-Hardcore.

Obwohl das Debütalbum der Mannheimer mit vielen Songs strahlen kann, macht es nicht alles richtig. Schlimm ist das nicht. Es gibt heutzutage keine vergleichbare deutschsprachige Band mehr, die ähnlich viel Pop in dieser Art und Weise mit Rock und eben angesprochener Härte vereinen. Genau das macht „Neues Glück“ zu einem Album, in das jeder mal einen musikalischen Blick werfen sollte, der von deutschsprachigen Texten nicht abgeneigt ist und mit Ohrwürmern regelrecht überschüttet werden will.