Anton Schroeder

Fontaines D.C. - Dogrel

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Nun ja, alle paar Jahre ist es so weit. Aus dem Gewimmel der unzähligen Gitarrenbands aus London, Manchester, Liverpool oder in diesem Falle eben Dublin erhebt sich eine, die eben das kleine bisschen Charisma mehr hat als die anderen. Die Strokes waren eine solche Band, die Libertines sowieso, auch Oasis muss man wohl oder übel dazuzählen. Jetzt also Fontaines D.C., das D.C. steht unüberraschend für Dublin City. Naja, warum auch nicht? Die Gitarrenmusik neu erfinden tun Fontaines D.C. auf ihrem Debütalbum Dogrel sicherlich nicht. Ganz im Gegenteil: selten kommt es vor, dass eine Band so offensiv mit ihren Einflüssen umgeht wie diese. Fontaines D.C. ist sozusagen das logische Produkt der englischen/irischen Gitarrenmusikhistorie. Die Smiths hört man deutlich raus, die Pogues natürlich, und Songs wie „The Lotts“ mit seinem markanten Basslinien-Intro könnten auch von einer auf Ian Curtis Dachboden wiederentdeckten Demo-Kassette Platz stammen. Alles also nur zum dutzenden Mal aufgebrühter Tee, mag man nun denken, doch damit tut man Dogrel unrecht. Fontaines D.C. schaffen es tatsächlich, aus dem Konglomerat der vor ihnen Dagewesenen einen frischen, einen eigenen Sound zu erschaffen, ohne dass man so wirklich weiß, was daran nun eigentlich eigen ist – wahrscheinlich wissen sie das selbst nicht so recht. Dazu kommt eine lange vermisste Poesie in den Texten des Sängers Grian Chatten. Anders als John Talbot von IDLES, einer Band, die aufgrund der zeitlichen Nähe und der auch bei Fontaines D.C. immer wieder plump beschrienen Zuschreibung der „saviors of punk rock“ offensichtlich zum Vergleich hinhalten muss, arbeitet Chatten nicht mit dem einzeiligen Vorschlaghammer (was keineswegs diskreditierend zu verstehen ist) und so sucht man den Aktivismus-Aspekt von IDLES auf Dogrel vergebens. Chattens Texte kommen dafür angenehm unaufdringlich daher, was dem Zuhörer selbst Platz zum interpretieren gibt. So kann beispielsweise „Big“, das Anfangsstück des Albums, sowohl als persönliches Lied über die Kindheit des Erzählers, als auch als bissiger Kommentar zu den in Dublin aus dem Boden sprießenden Filialen der großen Technik-Konzerne gelesen werden. Politische Spitzen werden auf Dogrel reimmer wieder gesetzt, doch kommen diese eher als Beobachtungen eines Rumtreibers mit anschließendem ironischem Kommentar daher, niemals wird der Schwarzweiß-Zeigefinger erhoben und mit Parolen um sich geworfen. So singt Chatten in Boys in the Better Land „Driver’s got names to fill two double barrels. He spits out ‘Brits out‘, only smokes Carrolls. […] You better hear it and fear it. Oh, that’s the spirit“, auf Chequeless Reckless wird der halbe Duden der verschiedenen Tunichtgute an die Wand gestellt. Doch mit dem Ende Dogrels endet auch der Zynismus. Wenn zum Abschluss des Albums die obligatorische Hymne “Dublin City Sky” erklingt, wird die letzte Runde bestellt, noch ein bisschen mitgeschunkelt und man läuft Arm in Arm heim.

Anspieltipps: Boys in the Better Land, Roy‘s Tune

Dogrel

BY

Fontaines D.C.

Release

12.04.2019

Label

Partisan Records

Gregor Hens

I Set My Friends On Fire - Astral Rejection

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Moment mal, Astral Rejection ist doch schon 2011 erschienen und war noch dazu ein ziemlich wackes Album? Ja, Sherlock, aber nicht dieses Astral Rejection (OG). Der Schleier um die Ereignisse zwischen dem ersten und zweiten Album der amerikanischen Hardcore-Band I Set My Friends On Fire scheint sich langsam zu lüften. Damals verließ Gründungsmitglied Nabil Moo die Band, und die Gruppe verschwand nach einem schwachen Album im Orkus. Aber das war nicht das richtige Astral Rejection (mit Nabil Moo). Das echte Album war Epitaph Records nicht heavy genug und wurde verworfen. Die Band (nur noch mit Matt Mehana) ist daran zu Grunde gegangen, denn vom Abgang des Songwriters erholte man sich nie. 2019, 10 Jahre später also wurde das verschollene Zweitwerk endlich offiziell der Öffentlichkeit zugänglich, und zeigt ein Experimental-Hardcore-Duo auf der Höhe ihres Schaffens. Dissonante Breakdowns und Geschrei treffen auf poppige, nihilistische Emo-Hooks, keine Gruppe lebte besser in both worlds als ISMFOF.

Astral Rejection (OG)

BY

I Set My Friends On Fire

Release

29.05.2019

Label

Epitaph Records

Hannes Recknagel

Avantasia - Moonglow

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Avantasia ist ein Musikprojekt des deutschen Musikers Tobias Sammet. Mit dem Erscheinen der ersten Songs im Jahr 2000 und dem Ersten Album 2001 war das Projekt offiziell begonnen. Angesiedelt im Power,- Symphonic,- und Medlodic-Metal wird bei Avantasia auch oft von einer Metal-Oper gesprochen. Durch diverse Gastauftritte von Musikern anderer Bands entsteht so eine große Vielfalt von Stimmen und Stimmungen in den einzelnen Liedern. So auch im neusten Album Moonglow. Dieses Album enthält, wenn man die vorherigen Alben gehört hat, nichts Neues oder Ungewöhnliches. Aber das muss nichts Schlechtes sein. Manchmal sind Dinge gut so wie sie sind. Ebenso verhält es sich auch im Fall Avantasia. Verspielt, romantisch und auch kitschig kommt das neuste Album des Stuttgarter All-Star-Projekts daher. Mit Titeln von nur 3 Minuten Dauer, bis hin zu elfminütigen Langspielern ist auf diesem Album alles an Spieldauern vertreten. Die Länge der Titel ist aber eher nebensächlich. Als Konzeptalbum ist es nicht dazu gedacht, sich einzelne Titel gesondert anzuhören, sondern das ganze Album von ca. einer Stunde Dauer im Ganzen zu genießen. Nur so entfaltet sich die ganze atmosphärische Wirkung, welche das Album zu dem macht, was es für mich ist. Mein Halbjahres-Chartalbum.

Moonglow

BY

Avantasia

Release

15.02.2019

Label

Nuclear Blast

Jakob Müller

Cate Le Bon - Reward

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Man muss nicht in dem Genre bewandert sein, um die Musik des Albums „Reward“ zu fühlen. Denn sie hat eine Sprache, die einen beim Hören nicht zweifeln lässt, ob man sie richtig versteht. Cate le Bons kraftvolle und sanfte Stimme leitet beim Hören durch Etappen ihrer Empfindungswelt und wirkt dabei nicht wie eine Moderatorin, sondern wie ihr Ich selbst, das eine Auskunft gibt. Und diese Auskunft ist ebenso schön wie vielseitig. Zwar ist das Album insgesamt eins der ruhigeren Sorte, doch trotzdem finden sich darauf verschiedene Stimmungen. Sei es die epische Empfindung einer Stadt im Song „Miami“ oder tiefe Melancholie in „Here It Comes Again“, die ihre Besonnenheit behält, sich nicht im Strudel des Traumas verliert und damit nicht zu Tragik wird. Der schnelle Rhythmus von „Magnificent Gestures“ schafft es auch ohne die brennende Eindringlichkeit der meisten elektronischen Tanzmusik, einen maximalen Bewegungsdrang zu entfesseln. Und wie nicht selten auf diesem Album mischen sich auch seltsame Töne unter den Klang, in diesem Song ist es das oft wiederholte Wort „drip“ in ulkig hoher Tonlage. Aber man freundet sich schnell mit ihnen an.

Während des Schreibens höre ich das Album und mir geht es wie jedes Mal. Ich bin aufs Neue begeistert aber auch verwundert: wie konnte ich vergessen, wie wahnsinnig toll das alles klingt? Jedes Instrument und jeder Synthesizer – man kann sie ohnehin kaum voneinander unterscheiden – fühlt sich an wie an genau der richtigen Stelle, die Musik klingt wie aus einem Guss und ist trotzdem locker, luftig und zart. Das Zusammenspiel von Gitarre, Bass, Stimme, Sprenklern von Trompete und Saxophon und weiteren Akzenten lässt ein eindeutiges und überzeugtes „ J A “ aus seinem Inneren in den Kopf steigen. Behutsame Songs wie „Home to You“, immerhin fünfeinhalb Minuten lang, halten durchgehend die Spannung und erzeugen einen Groove, den man in dieser Musikrichtung nicht erwartet hätte. Denn das Album lässt sich, um es nun doch zu tun, zwischen Alternative, Indie rock und Pop einordnen, so zumindest auf Bandcamp zu lesen. Cate le Bons Stimme wiegt und streicht über die Musik wie sanfter Wind über eine Landschaft. Dabei schwört sie solchen romantischen Motiven ab, indem sie singt „I don’t need the poetry“. Wahrscheinlich reicht ihr die Poesie, die sie in sich selbst spürt.

Auf „Reward“ verbindet sich das Sanfte mit dem Komischen und das Liebliche mit dem Ernsten zu Etwas, das ehrlich, real und schön erscheint. In der Sendung hat Leonid von „Urvertrauen“ gesprochen, was man in dieser Musik zu hören fühlt und es damit gut getroffen. Etwas nüchterner ausgedrückt ist mein Urteil: Das 5. Album der waliser Künstlerin ist sehr gutes.

Reward

BY

Cate le Bon

Release

24.05.2019

Label

Mexican Summer

Jennifer Georgi

Bastille - Doom Days

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Bereits bevor das Doom Days veröffentlicht wurde, hatte ich auf dem Rock im Park Festival beim Auftritt von Bastille einige der neuen Songs zu Ohren bekommen. Völlig begeistert von diesen ersten Eindrücken, freute ich mich auf das neue Album. Dan Smith, Frontsänger der Band, erklärte im Vorfeld, dass mit Doom Days ein ‘apokalyptisches Partyalbum’ erscheine. So zieht sich deutlich ein roter Faden durch die elf Titel, die sich inhaltlich um die Thematik einer Partynacht mit allen zugehörigen Höhen und Tiefen drehen. So berichtet
“Quarter Part Midnight” mit neunziger Breakbeat und flottem Tempo von den oftmals unbedachten Taten in solch einer „feucht-fröhlichen“ Nacht, in der nicht selten “Bad Decisions” gefällt werden. Mit “Million Pieces” fügt sich außerdem noch ein echter Partyhit in das Album, der abermals durch eine Anlehnung an die Neunziger und Houslastigen Chorus geprägt ist. Mein persönlicher Favorit, der Titelsong “Doom Days”, erregt jedoch einen ganz anderen Gemütszustand; anstelle von Euphorie werden ernsthafte Thematiken wie Ängste, Abhängigkeiten sowie Kritik an Social Media aufgegriffen. Um die Aussagen lyrisch ansehnlich zu gestalten, trifft man im Text auf allerlei Metaphern und Anspielungen. Musikalisch steigt “Doom Days” mit verhalltem Gesang ein und trumpft anschließend mit Trap-Beat und vielen Einspielern auf. Vom Heimweg nach einer langen Nacht berichtet “Those Nights”, welches sich durch die einfache Synth-Melodie, seinem eingängigem Refrain und den pulsierendem Beat zum zweiten Höhepunkt des Albums heraushebt. Auch die anderen Songs wie “4 AM”, “Another Place” oder “Nocturnal Creatures” erklingen in dem für Bastille einzigartig typischen Sound irgendwo zwischen Indie, Pop und R&B und eignen sich nicht nur zur Einstimmung auf die nächste Party, sondern auch zum Abschalten. Zwar verspricht das Album wohl kein Chartstürmer -wie das zuvor in Kooperation mit Marshmello produzierte Happier- zu werden, doch Reinhören lohnt sich dennoch auf jeden Fall.

Doom Days

BY

Bastille

Release

14.06.2019

Label

Universal

Leonid Lewandowski

Black Midi - Schlagenheim

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Wenn auf der Bühne Becken kaputt getrümmert werden, Saiten im Minutentakt von der Gitarre fliegen und ein scheinbar geisteskrankes Jodelkid-Double über Blastbeats seine Schizophrenie im Selbstgespräch zu lösen sucht, dann ist entweder das Privatfernsehen an seinem endgültigen Tiefpunkt, oder die Band black midi auf dem Höhepunkt ihres Sets angelangt.

Die obige Beschreibung entlehnt sich dem Liveauftritt der jungen Londoner auf dem diesjährigen Immergut Festival und war für mich eines der Highlights dort schlechthin. Spätestens seit Tourkollegen shame die Band als „best band in London right now“ ankündigten, ging es bergauf für die talentierten Jungs von black midi: Plattendeal, Livetouren bis Japan und was so dazugehört. Jetzt ist ihr Debut-Album Schlagenheim knapp vor einer Woche erschienen und gleich zu meinem Highlight des Halbjahres aufgestiegen. Wie das?

Neben vielleicht Xiu Xius Girl With a Basket of Fruit ist Schlagenheim für mich das aufregendste Album des Jahres soweit. Konventionelle Genregrenzen sind hier nicht mehr zu erkennen, soundtechnisch ist Schlagenheim vielschichtig und ausgefeilt. Noise Passagen streiten mit Math-Rock Elementen, werden immer wieder von gefährlich lauernden Basslines entspannt und ergießen sich in ekstatische Höhepunkte, die an Slints legendäres “Good Morning, Captain” erinnern wollen (und es beizeiten sogar schaffen!). Das ganze Album durchzieht eine Unvorhersehbarkeit, die es schwer macht Mal eben zu pausieren. Es wurden hier auf relativ kleinem Raum viele Ideen eingearbeitet, was Schlagenheim zwar zu einem fordernden, aber auch belohnenden Hörerlebnis macht. Auch absolut unerwartete Momente spitzer Theatralik wie in „Ducter“ oder „Reggea“, welche durchaus an die Emotionen gehen, spielen für die erfrischende Unkonventionalität der Scheibe. Vokalist Greep presst seine Texte in den verschiedensten Ton- und Stimmlagen hervor. Er spricht, säuselt und schreit – dabei immer in Synergie mit den anderen Musikern.

Mich beeindruckte außerdem, wie prägnant jedes einzelne Instrument ist – dass diese leicht mit der Diversität des Sängers mithalten können. Man könnte leicht dutzende Seiten über diese Band füllen, auf „bmbmbm“ treiben Bass und Drums über ein ewiges Crescendo den Song zu seinem Höhepunkt und der Sänger schreit und die Gitarren schreien und die Drums scheppern und da wusste ich: dat isses!

Anspieltipps: bmbmbm & Western

Schlagenheim

BY

black midi

Release

21.06.2019

Label

Rough Trade

Lilly Biedermann

Von Wegen Lisbeth - sweetlilly93@hotmail.com

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Wer denkt, dass die Berliner Band Von wegen Lisbeth nach dem Erfolg ihres Albums Grande den Erwartungen an ein neues Album nur schwer gerecht werden konnten, der hat recht. Es war schwer nach diesem Album etwas Neues zu schaffen, das nicht wie das Alte klingt, trotzdem irgendwie wie das Alte klingt, dabei noch Tiefgang hat und richtig gut ins Ohr geht. Doch die Berliner haben es geschafft. sweetlilly93@hotmail.com ist nicht etwa meine Mailadresse, sondern ein herausragendes Album, in dem die 2006 gegründete Gruppe sich neu entdeckt und trotzdem treu geblieben ist. Die Instrumentalisierung ist gewohnt experimentell, aber eingängig. Klassische Gitarrenklänge mischen sich mit Geräuschen unbekannter Herkunft zu einem ohrwurmtauglichen Sound. Der Text tut sein Übriges. In und zwischen melodischen Refrains findet sich Platz für Alltagsprobleme und Gesellschaftskritik. Beides so auf den Punkt gebracht, dass diese Wahrheit fast schon weh tut. Doch statt abgedroschener Phrasen wirken die Formulierungen, wie Puzzleteile aus dem Alltag, die sich zu einem stimmigen Bild zusammensetzen. sweetlilly93@hotmail.com ist der Salat unter den Alben – leicht bekömmlich und trotzdem voller Energie. Probieren wird dringend empfohlen.

sweetlilly93@hotmail.com

BY

Von Wegen Lisbeth

Release

03.05.2019

Label

Sony Music

Martika Haugk

Billie Marten - Feeding Seahorses By Hand

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Die britische Künstlerin Billie Marten hat just im April 2019 ihr zweites Album Feeding Seahorses By Hand veröffentlicht. Damit knüpft sie an den bereits gelungenen Erfolg ihres Erstlingswerks Writing Of Blues and Yellows drei Jahre zuvor an. Während auf dieser Platte jedoch vor allem kindlich-naiv anmutende Alltagsgeschichten der damals gerade einmal 15-jährigen Schülerin Isabella Sophie Tweedle erzählt werden, wirkt das Nachfolgeralbum wie ein selbstbewusstes Statement. Von sich selbst sagt Billie Marten zu dieser Entwicklung:
“I feel like I’m more awake to society than I was aged 15. That’s bound to
happen. This record is definitely not as much about me.

Das Statement einer noch immer unfassbar jungen Musikerin, die aber neugierig und offen ihren eigenen Stil entwickelt und die vor allem eine Position beziehen will.

Denn die zerbrechlich-melancholische Stimme Martens, immer begleitet von Akustikgitarren und anderen Indiefolk-typischen Instrumenten, mag harmlos und sanft klingen. Im selben Moment haucht sie dann aber auf ihre federleichte Art und Weise unvermittelte Kritik gegen die Unnahbarkeit politischer Akteur*innen wie in ihrem Song “Betsy” oder der Monotonie des Alltags in London mit dem Titel “Boxes” ins Mikro.

Als tiefgründig, vielseitig und vor allem mit einer geballten Ladung Poesie lassen sich die 12 Titel des taufrischen Albums der Britin charakterisieren. Tatsächlich stammen die Lyrics Billie Martens aus unvollständigen Tagebucheinträgen, die verschiedenste gesellschaftliche und persönliche Thematiken aufgreifen. Während viele Musiker*innen bis zum Ende ihrer Tage damit beschäftigt sind, die immer selbe Liebe und Eifersucht, den immer selben Spaß und Frust zu besingen, bedient sich die junge Künstlerin ganz einfach ihrer blühenden Phantasie. Und schafft somit ein Album, dass zum schwärmerischen Tagträumen und zum kritischen Nachdenken gleichermaßen anregt.

Feeding Seahorses By Hand

BY

Billie Marten

Release

26.04.2019

Label

RCA

Michel Deter

Papooz - Night Sketches

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Sooo smooth, sooo groovy, sooo lässig, aber doch so elegant. Du suchst immer noch nach dem perfekten Soundtrack, um im lässigen Anzug durch die warme, funkelnde Nacht von Club zu Club zu dancen? Dieses französische Duo aus Paris kann Abhilfe leisten. Auf ihrem zweiten Album Night Sketches, welches im März erschienen ist, liefern Papooz zwölf Songs mit zirpenden Gitarrensounds, schwirrenden Piano-Flächen und hüpfenden Basslines.

Ulysse Cottin and Armand Penicaut machen seit 2012 gemeinsam Musik und ordnen diese dem “Tropical Groove” zu. Nach ihrem ersten Album Green Juice von 2016 mit sonnigem Indie-Dreampop, gehen sie nun mit ihrem Sound ganz klar in die dunklere, aber auch funkigere Disco-Richtung.

Der Groove auf dieser Platte ist vor allem eins: Catchy! Schon nach dem ersten Mal hören, graben sich die Melodien ins Gehirn und lassen dich entspannt deine Hüften schwingen. Das Album strotzt nur so von rhythmischen Schmankerln. Besonders beliebt bei den Jungs sind betonte, ab-ge-setz-te Beck-en-schlä-ge mitsamt Instrumenten. Auch das Zusammenspiel der leicht rauchigen Stimme von Ulysse Cottin und dem untermalenden Background-Chor unterstützen diese dichte Atmosphäre. Papooz schaffen so ein Album mit einem Sound, der sowohl modern als auch Retro klingt und einfach zeitlos gut ist. Dass die beiden Franzosen dabei immer ganz „romantic chic“ im lässigen Anzug gestylt sind, liegt da irgendwie auf der Hand!

Night Sketches

BY

Papooz

Release

08.05.2019

Label

Half Awake

Alexander Rumpf

Sharon Van Etten - Remind Me Tomorrow

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Verfasst während einer Babypause fokussiert sich Remind Me Tomorrow auf die ganz grundlegenden Fragen des Lebens: Liebe, Partnerschaft, Erwachsenwerden. Dabei wird sich jedoch nie in Plattitüden ergossen, sondern ausschließlich selbst gemachte Erfahrung auf poetischste Art zu brillanter Musik gesponnen.
„I Told You Everything“, die unangefochtene Ballade des Jahres, eröffnet die Platte mit einem kleinen Wunderwerk der Songschreiberei. Spärlich instrumentiert und mit wenigen Worten wird eine Barszene geschildert, in der sich die Protagonisten gegenübersitzen, realisieren, dass sie sich eben alles erzählt haben und nervös mit den Knien unter dem Tisch zusammenstoßen. “I told you everything, no change in your eyes. Wann hat man sich schon einmal vollständig einer anderen Person geöffnet, wann wurde man von dieser Person vollständig angenommen? Um den Hörer in diesem Sumpf süßer Gefühle versinken zu lassen, benötigt van Etten gerade mal 14 Zeilen.
Trotz der Ernsthaftigkeit werden nicht nur leise Töne angeschlagen, sondern zuweilen gar explosive Ausbrüche gewagt: Auf „Comeback Kid“ wird mit lauten Beckenschlägen die Rückkehr in das Dorf des Elternhauses beschrieben, das sich mittlerweile seltsam fremd anfühlt, in „Hands“ klingt der Refrain wie ein cholerischer Ausbruch in einem Streit um nicht abgewaschenes Geschirr. Albumhighlight „Seventeen“ versinkt dann zu einem entschlossenen Schlagzeugbeat und flirrenden Synthieriffs in Nostalgie. Während van Etten sich in ihrem siebzehnjährigen Ich im New York wiederzufinden versucht und auf ihre Ängste und Hoffnungen von damals zurückblickt, streicht sie dem Zuhörer parallel durch die Haare und flüstert: „Alles wird gut!“. Danke, Sharon.

Anspieltipps: Seventeen, I Told You Everything

Remind Me Tomorrow

BY

Sharon Van Etten

Release

18.01.2019

Label

Jagjaguwar