Mit Formaten wie Roche & Böhmermann oder dem Neo Magazin sendet er auf den Testkanälen des ZDF eifrig gegen die Quote. Sowieso ist Herr Böhmermann ein durch und durch öffentlich-rechtlicher Moderator; zumindest lässt das der kostümartig sitzende Anzug vermuten. Verborgen in diesem Schafspelz infiltriert er klassische Formate. Was dabei herauskommt, sind Sendungen direkt aus dem Fettnapf, die vor allem das geplante Scheitern zelebrieren. Alles unter dem Motto: Man muss die Grenzen kennen, um sie zu überschreiten. Das ist dann meistens recht peinlich für alle Beteiligten, aber eben auch unheimlich erfrischend und unterhaltsam zwischen der ganzen „Medienwichse“, wie Böhmermann es im Interview mit dem Campusradio Dresden formuliert.

Auch im Radio schreibt Jan Böhmermann ganz neue Geschichten, wobei „neu“ nicht gleichzeitig „gut“ bedeuten muss. Hier aber schon.

Was denn überhaupt gutes Radio ausmacht, beschreibt uns Böhmermann folgendermaßen: Wenn man im Auto sitzen bleibt, obwohl man schon angekommen ist, um zu hören, was da passiert. Dass man sich als Radiomacher an diese Qualität erst langsam und experimentell herantastet, versteht sich von selbst. Wie ein riesiger Versuchsaufbau mutet dann auch die Radio-Talksendung Late Line an, mit der Böhmermann auf seiner Deutschlandtour auch in Leipzig zu Gast war. Als Moderator sprach er hier gleichzeitig und durcheinander zu den Hörern sieben verschiedener Radiosender, den Fernsehzuschauern auf eins plus, den Call-in-Gästen der Late Line und der Internetcommunity. Wenn man alles macht, kann man nichts falsch machen. Oder so ähnlich. So ungewiss wie der Ausgang einer solchen Sendung, so unkontrolliert und chaotisch ist auch deren Verlauf. „Alles kann, nichts muss!“: Wenn man sich diese Philosophie vor Augen hält, versteht man auch, warum Radio à la Böhmermann so klingt, wie es klingt.

Er macht Radio und Fernsehen hinter den Kulissen und zwar aus Prinzip. Das ist professionalisierte Laienhaftigkeit, die man in dieser Weise sowohl im TV also auch im Radio selten antrifft. Gerade deshalb baut Jan Böhmermann diese Eigenart in immer neuen Formaten aus. Dabei genügt es ihm allerdings nicht, nur besser zu sein als alle anderen. Nein – Böhmermann möchte schlimmer sein. Sogar schlimmer als er selbst. Mit seinem neuen Bühnenprogramm „Schlimmer als Jan Böhmermann“ tourt er deshalb momentan durch Deutschland und besucht am 30.03 auch Dresden („Das Leipzig für coole“). In der Schauburg gibt es dann Gags an der Grenze zum guten Geschmack. Herr Böhmermann: Ist das lustig, oder kann das weg?