Wer es kurz und knapp mag, dem sei gleich der Beitrag am Ende des Artikels ans Herz gelegt. Da Bratze unserer Meinung nach allerdings die vollste Aufmerksamkeit verdient hat, wollen wir an dieser Stelle noch ein letztes Mal weiter ausholen. Warum Beerdigung? Und wie kam es dazu?

Es war der 26. Mai 2014. Man arbeitete sich gerade nichtsahnend und – wie immer – relativ grundlos durch die Facebook-Timeline, als man plötzlich, zwischen all dem größtenteils belanglosen Müll eine erschreckende Meldung gefunden hatte.

Wir haben etwas zu verkünden.

Auf den Tag genau acht Jahre ist es her, da schrieben wir das Stück Jean Claude.
Ein Jahr später erschien unser Album Kraft.
Drei Jahre danach die Korrektur nach Unten.
Und zwei Jahre darauf folgte Highlight.
Zwischendurch zogen wir durch die Lande und spielten einige Konzerte.
244, um genau zu sein.
Wir durften vieles erleben, mit anderen teilen und unsere Grenzen spüren.
Wir wurden freigelassen, immer gut unterstützt und wieder aufgefangen von Menschen, denen wir dafür dankbar sind.
Wir haben uns entschieden das Projekt zu beenden.
Es wird noch ein letztes Konzert von uns geben.
Dieses findet am 02.10. im Molotow in Hamburg statt.
Ein öffentliches Begräbnis.
Dann ist Schluss.

Wir heulen nicht, Wir verschwinden

Bratze via Facebook (26. Mai)

Fassungslosigkeit machte sich breit. War das alles nur ein übler Scherz? Doch kaum war diese Nachricht verdaut, folgte der nächste Schock: Das Konzert, die Beerdigung, das aller aller letzte Bratze Konzert war bereits ausverkauft. Die Reaktionen: wütende Kommentare von enttäuschten Fans. Die Location zu klein, die Meldung zu plötzlich, wer nicht rechtzeitig auf dem sozialen Netzwerk vorbei geschaut hatte, ging leer aus.

Zwei Tage später dann eine neue Meldung. Das Konzert wurde hochverlegt, um einen Tag verschoben und ein offizieller Vorverkaufsbeginn festgelegt. Nun konnte sich jeder den Tag frei nehmen und hinter dem heimischen Computer bibbernd den Countdown abwarten, um eines der begehrten rund 800 Tickets zu ergattern. Eine knappe dreiviertel Stunde nach offiziellem Verkaufsstart war es dann auch wieder vorbei, das Konzert nun endgültig ausverkauft.

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Foto: Sophie Krische

Bratze war nicht das einzige Projekt von Kevin Hamann (ClickClickDecker) und Norman Kolodziej (Der Tante Renate). Daher gab es schon oft längere Pausen, wie beispielsweise vor ihrem letzen Album „Highlight“ (2012). Kevin tourte oft jährlich abwechselnd einmal als ClickClickDecker und einmal mit Bratze umher. Trotz der Tatsache, dass man also länger auf Neuigkeiten und Live-Auftritte von und mit Bratze warten musste, hatte sich die Band über die Jahre eine treue und begeisterte Fanbase aufbauen können. Singer-Songwriter trifft Electro. Gute Texte, einfache wie geniale Musikvideos und ein extrem symphatisches Auftreten. Dazu kamen die unglaublich mitreißenden Bühnenperformances. Man musste einfach mitspringen, mitgrölen und seine verrücktesten “Tänze“ – wie auch immer man das teilweise bezeichnen mag – auspacken. Das alles machte Bratze aus. Außerdem nicht zu verachten: die stets unglaublich sexy Bühnenoutfits.

Collage Bratze

Foto links: Facebook | Fotos rechts: Anika D.

Dies alles hat nun ein Ende und wir werden wohl niemals wieder in den Genuss dieses Anblickes kommen. Ein weiteres Projekt von Bassist Norman (auf Bild mit langer Hose) ist die Band „HipHop200“. Auf einem Konzert in Leipzig, haben wir ihm die alles entscheidende Frage stellen können: „Warum?“ Norman hat uns verraten, dass er und Sänger Kevin musikalisch nicht mehr auf eine Wellenlänge kommen. Privat verstehen sich die beiden aber noch sehr gut. Es sei wohl einfach nur die Luft raus. Den aufmerksamen Fan dürfte das aufgrund der vielen und langen Schaffenspausen von Bratze gar nicht so überraschen.

Wir konnten uns dieses finale Spektakel natürlich nicht entgehen lassen und sind extra für Bratze nach Hamburg gefahren, um ihnen unsere letzte Ehre zu erweisen. Nach der Beerdigung konnten wir mit einigen Konzertbesuchern, trotz sehr lauter Geräuschkulisse über Bratze und die Beerdigung selbst reden. Dabei fanden wir heraus, dass die lange Strecke von Dresden nach Hamburg nicht die weiteste Anreise war, die für Bratze an diesem Abend gemacht wurde. Außerdem haben wir schon im Voraus mit Supershirt im Interview über die Bandauflösung gesprochen. Supershirt sind Labelkollegen und Freunde von Bratze und kennen die Jungs daher gut.

Für einen visuellen Eindruck von der Beerdigung, haben wir folgende aussagekräftige Momentaufnahme für euch. Diese und weitere findet ihr übrigens unter folgendem Link.

 

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Kevin | Foto: Tim Bruening

Zum Schluß bleibt uns nur noch zu sagen: Danke Bratze für diese wundervollen Jahre, und die zahlreichen ekstatisch schönen Live-Momente. Ihr werdet vielen Menschen fehlen.