An fünf deutschen Standorten  wird derzeit zu bipolaren Störungen geforscht - neben Dresden auch in Hamburg, Berlin, Bochum und Frankfurt/Main. Etwa 800 000 Menschen leiden allein hierzulande unter einer bipolaren Störung.

„Bipolare Erkrankungen sind psychische Erkrankungen, die mit Phasen von Depression und Hypomanie/Manie einhergeht, sie beginnt im frühen  Erwachsenalter und ist nicht heilbar.  Es ist eine recht häufige Erkrankung 2 bzw. 2,5% der Bevölkerung leiden daran.“

Dr. Emanuel Severus

Bei einer manischen Phase,  in abgeschwächter Form bei einer Hypomanie, fühlt sich der betroffene Patient im Unterschied zur Depression, unter anderem, enorm leistungsfähig, euphorisch, kreativ. Diesen durchaus positiven Symptomen treten bei zunehmender Dauer und Intensivität eine verminderte Kritikfähigkeit und höhere Risikobereitschaft und Schlafstörungen, vor allem vermindertes Schlafbedürfnis, hinzu. Das kann im Extremfall zu Eigen- und Fremdgefährdung führen. Das Problem:  Die Betroffenen merken nicht, dass sie in eine manische Phase kommen. Hier könnte eine App helfen. Sie wurde als Teil eines Pilotprojekts am Uniklinukum in Dresden entwickelt und in einer Pilotstudie aktuell zum ersten Mal getestet.

„Die App misst die Symptome, die während dieser hypomanischen/maischen Phase auftreten. Also, wir schauen uns das Kommunikationsverhalten an, das Bewegungsverhalten, die Schlafdauer. Wir versuchen aufzuzeigen, dass es diese enge Korrelation zwischen diesen Symptomen und Phasen gibt. Dann ist die Hoffnung diese Episoden früh zu erkennen und vorherzusagen, um schnell intervieren zu können.“

Dr. Emanuel Severus

Das System funktioniert auf zwei Ebenen. Die App befragt zum einen den Patienten selbst, was er denkt für Aktivitäten am Tag ausgeführt zu haben. Auf der zweiten Ebene protokolliert die App dann Dinge wie Bewegungsmuster oder das Nutzungsverhalten der PatientInnen. Da hierbei auch hochsensible Daten aufgezeichnet werden, spielt der Datenschutz natürlich eine außerordentlich große Rolle.

„Es werden keinerlei Inhalte gespeichert, die App misst z.B. nur die Häufigkeit und Länge von SMS. Die Daten werden im Karlsruher Institut für Technologie in pseudonymisierter Form gespeichert. Die Personen identifizierenden Daten und die pseudonymisierten Daten werden räumlich getrennt aufbewahrt, somit ist kein Rückschluss auf irgendeine Person möglich.“

Dr. Emanuel Severus

In einer ersten Studie soll also nun gezeigt werden, ob die App tatsächlich zuverlässig die Symptome erkennt und somit ein Mehrwert besteht. In einer zweiten Studie soll dann überprüft werden, ob und wie Ärzte mit Hilfe der in der App gesammelten Daten den Patienten früher und gezielter helfen können. Es wird also noch etwas dauern bis die App auf den Markt kommt.

 

Weitere Informationen findet ihr hier. Das Uniklinikum sucht übrigens noch Testpersonen für den zweiten Teil der Studie.