How Big How Blue How Beautiful

BY

Florence + The Machine

Release

29.05.2015

Label

Island Records

Als vor einigen Monaten die erste Single aus dem neuen Album von Florence + The Machine herauskam, war klar: Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Dieser Song hatte einfach alles, was eine Vorabsingle haben muss: ein einprägsames Gitarrenriff, eine stampfende Bassdrum und vor allem Bläser über Florence Welch’s unverkennbarer Stimme. Ein Song mit so viel Kraft und so viel Drive, dass man fast Angst bekam, das Album könnte die – ohnehin hohen und nun schier unermesslichen – Erwartungen nicht erfüllen. Nun, es hat sie sogar übertroffen.

Schon die ersten Songs des Albums machen deutlich, dass Welch textlich und musikalisch den konsequenten Schritt nach vorne wagt. „How Big How Blue How Beautiful“ ist dabei ein fast schon überladener Popsong. Ein Chor, Streicher, Bläser, ein Piano. Hier wird wirklich alles in den Ring geworfen. Fast möchte man „ACHTUNG ÜBERGEWICHT“ rufen, aber Welch fängt den Hörer im weiteren Verlauf der Platte wieder ein.

Wie die Trompeten, die ganz am Schluss des Songs kommen – genau so fühlt sich die Liebe für mich an. Wie ein endloser Bläser-Part, der abhebt in den Orbit. Und einen dabei mitnimmt. Wie in einer anderen Sphäre fühlt sich das an. Und genau dieses Gefühl gibt mir auch die Musik. Man will einfach nur, dass sie nie aufhört, immer weiter läuft – und das Gefühl ist einfach der Hammer.

Florence Welch über den Titelsong des Albums

Die immer wieder einsetzenden Bläser sind wohl das Markanteste am neuen Album. Sie machen den Sound noch größer, noch pompöser. Genau in jenen Momenten, in denen man glaubt, der Song hat nun seinen Höhepunkt erreicht, setzten die Bläser ein und katapultieren ihn noch einmal eine Stufe höher.

Na ja, und richtig satt klingen seine Produktionen ja auch, und ich stehe nun mal auf diese ‘Big Sounds’. Mehr noch, mit Trompeten kennt er sich auch aus, und ich wollte auf diesem Album unbedingt mit ganz vielen Bläsern arbeiten“

Florence Welch über Markus Dravs, Produzent des Albums

Dabei kommen die beiden besten Songs des Albums völlig ohne Bläser aus. „Delilah“ passt mit dem treibenden Schlagzeug perfekt auf das Mixtape für den nächsten Roadtrip, während „Long & Lost“ das genaue Gegenteil darstellt. Reduziert auf Florence’ Stimme, eine Gitarre und einen elektronischen Bass, nimmt dieser Song das Tempo komplett raus und ist das wohlplatzierte retardierende Moment des Albums.

How Big How Blue How Beautiful klingt wie die konsequente Fortsetzung der Vorgängeralben. Einen großen Sound hatte Florence Welch schon immer, gab sich früher aber auch etwas verspielt. Dies hat sie nun völlig abgelegt und mit dem dritten Album ein wahres Kraftpaket abgeliefert. Sie wollte „Big Sounds“ und genau diese hat sie bekommen. Es sind große Produktionen für große Bühnen mit großen Emotionen. Es ist kein Experiment, sondern ein Progress. Fraglich bleibt nur, wie viel Luft da noch nach oben bleibt, oder ob das schon der Zenit von Florence + The Machine ist.