Das Dresdner Staatsschauspiel begrüßte am 28. Februar 2016 Giovanni di Lorenzo auf seiner Bühne. Von einem grippalen Infekt gebeutelt und vor ausverkauftem Haus sprach er eine knappe Stunde über den Vertrauensverlust in Medien und dessen Ursachen, welche er unter anderem im Journalismus ausmacht. Er war der dritte prominente Gast der „Dresdner Reden 2016“, einer  Veranstaltungsreihe, die vom Saatsschauspiel Dresden in Kooperation mit der Sächsischen Zeitung organisiert wurde. Giovanni di Lorenzo ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, Mitherausgeber von „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt“ und Moderator der Talkshow 3 nach 9.

Allerdings hat jeder, dem ich erzählt habe, dass ich heute in Dresden sprechen werde, reagiert, als ob ich in die sprichwörtliche Höhle des Löwen fahre.

Giovanni di Lorenzo

Damit nahm di Lorenzo Bezug auf die montäglichen PEGIDA-Demonstrationen und die aktuellen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen. Er verurteilte die Zunahme von Gewalttaten gegen Flüchtlinge, Journalisten und Politiker . Anfeindungen gegen Journalisten hätten eine besorgniserregende Intensität erreicht, die nicht nur journalistische Arbeit einschränke, sondern auch das Funktionieren der Demokratie in Deutschland gefährde. Die Medien stellten die „vierte Gewalt“ in der deutschen Demokratie dar, hätten jedoch durch Skandalisierung, Boulevardisierung, Konformität und fehlende Thematisierung von Alltagsproblemen erheblich zum Vertrauensverlust in den Journalismus beigetragen. Daraus speisen sich nach Giovanni di Lorenzo Vorwürfe wie „Lügenpresse“ oder „Systemmedien“. In der Parallelwelt des Internets formiere sich dann eine Öffentlichkeit in der sich Gerüchte rasant verbreiten, Verschwörungstheorien gesponnen werden und Berichterstattung als scheinbar falsch entlarvt wird.

Zunächst einmal Aufklärung und Transparenz leisten. Wir können erklären, was wir tun und warum. So simpel das klingt, so nachhaltig wird es wirken, davon bin ich fest überzeugt.

Giovanni di Lorenzo

Es müssten weitreichende Anstrengungen unternommen werden, damit verloren gegangenes Vertrauen wiederhergestellt werden könne. Giovanni di Lorenzo äußerte klare Vorstellungen darüber wie dies geschehen könne. Medien und Journalisten müssten Fehler eingestehen, Haltungen aufzeigen und persönlicher werden, damit große Teile der Skeptiker wieder zurückgewonnen werden. Di Lorenzo hegte keinen Zweifel daran, dass dies zu schaffen ist.

Zum Abschluss seiner Rede machte er allen Zuhörern Mut und empfahl, sich nicht von Pöblern oder Hetzern den Mund verbieten zu lassen, sondern zu seiner eigenen Meinung zu stehen.

Wer die Reden bisher verpasst hat, kann sich diese als Audiodatei auf der Website des Staatsschauspiels herunterladen.

Die 4. Dresdner Rede findet am 6. März im Staatsschauspiel Dresden statt. Sie wird vom zukünftigen Intendanten des Staatsschauspiels Joachim Klement gehalten und trägt den Titel: „Theater heute. Über ­gesellschaftliche Spielräume“.