Drunk

BY

Thundercat

Release

24.02.2017

Label

Brainfeeder

Eigentlich ist der Kerl ja ein Superstar. Thundercats Vita listet Erykah Badu neben den Suicidal Tendencies neben Flying Lotus. Nebenjobmäßig ist er auch ganz ok aufgestellt, hier ein paar Kollabos mit Kamasi Washington, dort ein bisschen für Kendrick Lamar produzieren. Der Relevanzpegel wird hier dezent auf Anschlag geprügelt. Warum eigentlich nicht, kann man ruhig mal machen. Und das alles mit gerade mal 32. Wer kurz noch einen freundlichen Hinweis für seine eigene Nichtig- und Bedeutungslosigkeit brauchte: biddesehr, gern, jur jederzeit wellkomm, xoxo, Thundercat.

Nun präsentiert Thundercat den Nachfolger des seltsam majestätischen Ritts einer bestens geölten Hitmaschine mitten ins Auge der Apokalypse, für den er eigentlich eine Krone aufgesetzt bekommen und zum König der Welt erklärt werden hätte müssen, wenn besagte Welt wenigstens einen Funken Anstand besäße. Auf diesem Nachfolger also verkettet er mit beeindruckender Sportlichkeit jazzig durchwehte Songminiaturen. Das erinnert frappant an das Erfolgsrezept von Kumpi Flying Lotus, nur dass dessen scharfkantiges Jazz-Psychpop-Chaos in der Thundercat-Modifikation durch einen anschmiegsamen Bass fügsam gemacht und mit einem gerüttelt Maß Zucker versetzt wird; und schon Oma wusste ja, dass das unter gar keinen Umständen schaden kann.

Trotz seiner 23 Stücke perlt Drunk wie aus einem Guss, auch wenn vage bleibt, warum eigentlich genau. Thematisch kann die Stimmung innerhalb weniger Songs von nerdig-albern zu niedergeschlagen kippen, vermutlich liegt es also am Bass, der hier pulsangebend vor sich hin schnurrt und dabei den ein oder anderen wimmernden Synthie umkurvt. Aus diesen angesoffen umhermäandernden Basslinien mutieren gelenkige Jazz- und Funkschlurfer, die mit offenem Popvisier operieren und watteweiche Soundkissen aufspannen, in die man problemlos kopfüber hineinspringen kann. Doch aller Gediegenheit zum Trotz ist Drunk auch immer verspielt und aktiv. Der gute alte Kater ist noch Zukunftsszenario, im Jetzt sprudeln die Ideen über: ob sich „Show You The Way“ retroverbeugend durch schwüle 70er-Atmosphäre schmachtet oder Thundercat sein futuristisches Erscheinungsbild in Weltraumblubbern und laserartige Synthspitzen überführt – Lässigkeit kennt hier keine Grenzen, nicht mal jene der Zeit.