Paisley

BY

Paisley

Release

26.05.2015

Label

Undressed Records

Ein trappelndes Schlagzeug, ein lässig runtergespieltes Riff, ein kraftvolles „Come On!“ – und schon ist man gefesselt im Opener des neuen Paisley-Albums, der sich „This Town“ nennt. Auf knapp viereinhalb Minuten wird dem Hörer hier die gesamte Ambition der Band ausgebreitet: Instrumentell wird im Wechsel zwischen laut und leise ein Feuerwerk nach dem anderen gezündet, im Gesang thront Liam Floyds markante Stimme und gibt gewissermaßen den Wahlspruch von Paisley vor: „Gotta Get Out!“. Gemeint ist damit aber nicht spezifisch Dresden, sondern eher das Verharren an einem Ort, das den vier Bandmitgliedern zuwider ist.

Es geht um das Gefühl raus zu wollen, mal etwas neues zu sehen. […] Dieses Gefühl, wenn man einfach die Schnauze voll hat und das einzige das hilft rauszukommen ist.

Liam Floyd

Es ist wie wenn man etwas vermisst, was man noch gar nicht kennt.

Luis Darko

Einmal ist das „Rauskommen“ jedenfalls schonmal gelungen: Ursprünglich stammen Liam und David aus der Kleinstadt Böblingen bei Stuttgart, wo der Drang wegzuziehen so groß ist, dass ihr schon 2012 im Kraftklub-Song „Ich will nicht nach Berlin“ ein Denkmal gesetzt wurde.

Seit dem Erscheinen ihrer ersten EP …Introducing 2015 sind Paisley auch tatsächlich viel unterwegs. Konzerttermine in ganz Deutschland und eine Europatour mit Zwischenstopps in Paris und Glasgow zeigen, dass die Band mittlerweile gefragt genug ist, um international Aufsehen zu erregen. In Paris wurde auch – relativ intuitiv – das Musikvideo zur ersten Single von Paisley gedreht, die passenderweise „France“ heißt. Das Bildmaterial wurde mit einer alten Super-8-Kamera aufgenommen und nicht nachträglich digital korrigiert, was auch ein schönes Indiz für die Detailverliebtheit der Band ist. Gelohnt hat sich der Aufwand allemal: Das Video war sowohl auf MTV als auch auf VIVA zu sehen, zumindest für den Teil der Fans, die diese Sender tatsächlich noch einschalten.

Apropos Detailverliebtheit, das Album hat neben den beiden Singles noch fünf weitere neue Songs, die neben den „alten“ Tracks von …Introducing stehen, und die haben es in sich. Neben den verträumten Gitarrenklängen von „Say My Name“ und „Melting“ wäre da der Albumcloser „High Noon“ zu nennen, der über einen längeren Zeitraum live auf der Bühne „geschliffen“ wurde, bis man mit der Version zufrieden war. Doch kaum war man im Studio angelangt, kamen schon die nächsten Ideen zutage – das fertige Produkt enthält nun unter anderem Geräusche eines Flügels, dessen Saiten mit Drumsticks bespielt werden. Das siebenminütige Stück wird (nicht nur) dadurch zum furiosen Schlussstrich von Paisley. Angst, bei soviel Klangspielerei irgendwann live nicht mehr hinterherzukommen hat man aber nicht: Der große Traum ist es, irgendwann einmal mit Orchester im Rücken auf der Bühne zu stehen. Optisch kann man sich die Band jedenfalls schonmal gut dabei vorstellen.

Man möchte Paisley bei soviel Ambition eigentlich nur konstant bewundernd auf die Schulter klopfen. Die Hingabe und der Einsatz auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel ist beachtlich, und selbst ihr Studium haben die vier mittlerweile abgebrochen, um sich voll und ganz der Musik zu widmen. In eigenen Worten:

Dass wir jetzt aus der Uni ausgestiegen sind bringt uns alle nur dazu, noch konzentrierter an der Band zu arbeiten. Weil das nun wirklich unser Ein- und Alles ist und wenn das jetzt nichts wird, sind wir eben angearscht. Aber wir wollen auch nichts anderes, daher ist das genau die richtige Entscheidung.

Luis Darko

Was die Zukunft bringt, kann bekanntlich keiner genau sagen – feststellen lässt sich zumindest, dass Paisley mit Stilsicherheit, Talent und der im Rockbusiness nötigen Prise Größenwahn bestens gerüstet sind und mit einem bärenstarken Debüt im Gepäck selbstbewusst nach vorne schauen können. Von dieser Band wird man sicherlich noch länger hören.

Das selbstbetitelte Debütalbum von Paisley erscheint am 26. Mai auf dem Dresdner Label Undressed Records, die Releaseparty steigt schon am 24. Mai im Ostpol.