Schon dass es The Horrors überhaupt noch gibt grenzt an eine kleine Überraschung. Von vielen nach einem kleinen Hype Mitte der 2000er als One-Hit-Wonder abgeschrieben, veröffentlichten die Briten im September ihr fünftes Album, das passenderweise den Titel V trägt. Es hat sich auch einiges getan, von schrammeligem Goth-Garagerock im Stil von The Stooges mit Kajal über psychedelische und synthetische Popinduktionen zur schwebenden Shoegazemaschinerie liest sich die Laufbahn der ihrem Namen keineswegs mehr Ehre machenden Band.

Ja, V ist eine klare Entwicklung in Richtung Pop und auch der Producer Paul Epsworth (Adele, Coldplay) lässt den geneigten Musiknerd eher mit der Stirn runzeln als enthusiastisch aufjauchzen. Aber The Horrors wären nicht The Horrors, wenn sie sich nicht mit jedem Album kreativ austoben und ganz neue Wege gehen würden, die man von ihnen weder gehört noch erwartet hat und an der Produktion kann man wenig herumkritteln, das Album klingt eben erwartungsgemäß fett, dabei verliert es nicht den Fokus und wirkt nie überproduziert, sondern immer stimmig und verspielt zugleich.

The Horrors klingen, als hätten sie sich seit dem ersten Album Strange House im Studio verbarrikadiert, nerdig und mit vielen Anleihen an frühere Bands kommt die Band seitdem daher, als Einflüsse schwingen auf V vor allem The Cure und My Bloody Valentine immer im Hintergrund mit.

Den Mittelpunkt bildet der Gesang von Frontmann Faris Badwin, um den herum das gesamte Songwriting aufgebaut ist, und der sich auf V in Topform zeigt, die Vocals sind catchy, klingen gleichzeitig aber nicht zu gewollt, sodass es eine Freude ist zuzuhören. Der Spagat zwischen Eingängigkeit, ohne beliebig oder aufdringlich zu klingen, gelingt über das ganze Album. Ohnehin ist der Gesang eine der wenigen Konstanten, ansonsten gestaltet sich der Record sehr abwechslungsreich, flächige Synths, analoge und digitale Drums und eine Gitarre, die sich in einer Fülle von Effekten austobt, lassen keine Langeweile aufkommen. Meistens bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, zeigt sich in “Gathering“, dass auch die Akustikgitarre einen Platz im Repertoire findet und den Song so zu einem kleinen Highlight auf einer Platte ohne Ausfälle macht.

Ansonsten kommt das Album durchaus elektronisch daher, so zeigt die Leadsingle “Machine“ The Horrors von ihrer bisher noch unentdeckten industriellen Seite, die sich auch in Form von dezent platzierten Störgeräuschen immer wieder ins Gedächtnis ruft. Den Abschluss bildet das verträumt-tanzbare “Something To Remember Me By“ mit einer unglaublich eingängigen Bassline, das auch der größte Hit des in sich geschlossenen Albums bildet und einen so nach einem Trip durch ein warmes und gleichzeitig Tiefen aufzeigendes Soundbild wieder in die Realität entlässt.

The Horrors liefern mit V ein konsistentes Popalbum ab, das durch die herausragende Produktion noch veredelt wurde, ohne ihren Charme oder Humor zu verlieren (siehe das Video zu “Something To Remember Me By“). Wenn soetwas dabei herauskommt, dann wünscht man sich fast, das mehr Bands es wagen, diesen Weg zu gehen und vergisst beinahe, wie viele großartige Bands sich genau so ruiniert haben.