Wer genau Hipster sind und ob nicht eigentlich anstatt des etwas schimärisch anmutenden Phänomens an sich die selbstgerechte Überhebung gegenüber jenen auserkorenen Hipsterdude(tte)s (v.a. in puncto Distinktionsgelüsten) weit schlimmer ist, wird in diesem Stück Holpertext nicht aufgelöst werden. Nur so viel: Es scheint evident, dass der identifizierte Makel sich alsbald auch auf des Hipstertums recht unverdächtige Personengruppen ausweiten kann. So manche Musikgruppe, die als des Hipstermenschs liebstes Komsumgut gerastert wird, ist durchaus rasch ein wenig verschrien.

Tatsächlich sehen sich auch die Swans seit dem Beginn dessen, was man als ihre zweite Karriere bezeichnen könnte, mit diesem Zuckreaktionen in Schulterregionen auslösenden Vorwurf konfrontiert. Was nach wie vor ein wenig zum Schmunzeln einlädt, denn dass jene Swans irgendwann auch nur im Ansatz in den Dunstkreis von Hipness geraten würden können, hätte man in den frühen 80ern wohl zu einem klassischen Fall von „mutige Prognose“ erklärt und in etwa neben einer Aussage der Marke „Ronald Reagan wird sich demnächst jubilierend zum Kommunismus bekennen“ platziert. Doch seit dem Comeback im Jahre 2010, insbesondere ab dem monolithischen The Seer haben die Swans fraglos Popularitätspunkte gesammelt. Und das leuchtet ein.

Denn nicht nur sind die Liveauftritte inzwischen ein klein wenig menschlicher (und weniger Public-Castration-Is-a-Good-Idea-mäßig) geworden (das Ziel ist heute nur noch Trommelfelle zu zerstören und nicht direkt die Existenz der Hölle mit säkularen Mitteln nachweisen zu wollen), auch auf Platte wurde mit zunehmender Zeit von der Strategie abgewichen, nichts abgesehen von knochenzermahlender Brutalität zu zelebrieren. Frühwerke wie Filth oder Cop waren greifbar gewordener Zorn, ein Konzentrat aus Krach und der schwelenden, dichten Präsenz von unmittelbar einfahrendem Schmerz. Das hat so seinen Reiz, macht aber schnell flau im Magen, lach. Schon in den 90ern wurde es vor allem mit Alben wie White Light From The Mouth of Infinity und The Great Annihilator feiner, sowohl in Sound als auch Tiefenwirkung. Das dröhnte immer noch sehr gewaltbereit und verloren, war aber nicht mehr nur reine Wunde, sondern in seinen besten Momenten von fast sakraler Schönheit und dann und wann sogar richtiggehend mitreißend. Da waren aus Versehen kleine Hymnen entstanden, hat man den Eindruck, aber mit ein bisschen schwarzem Lack wird schon keiner was merken. Zu Recht markiert für so manche AnhängerInnen gerade älteren Semesters diese Phase den Höhepunkt im Schaffen der Swans; und zu Recht gibt es Stimmen (siehe im Duden: Hipster), die die Meinung vertreten, mit The Seer, To Be Kind und The Glowing Man, dem Album-Triumvirat der neuauferstandenen Swans wird der Grundstein der frühen Swans zu einer abermaligen, unverhofften Horizonterweiterung, die sich vor allem auf den Akzent der Repetitivität stützt und ihn in ungekannte, exzessive 30-Minuten-Song-Beschwörungen ergießt, genutzt. Aber wer will zu derartig zarter Musik schon streiten?

Wer den Hype um einen funktionstüchtigen Hörapparat noch nie verstanden hat und/oder dem Verlust seines Hörvermögens gleichgültig gegenüber steht, möge sich bei uns melden und etwaiger Kollateralschäden zum Trotz einem der spannendsten Liveauftritte im Dresden des Jahres 2017 beiwohnen. Sendet uns einfach eine E-Mail mit dem Betreff “Killing for Company” + eurem vollen Namen an gluecksfee@campusradiodresden.de und gewinnt 1×2 Freikarten für das Konzert im Beatpol. Viel Glück!